Kategorie: Staat und Religion


  • Der Kardinal und die Freiheit

    Bei Radio Vatikan (Die Nachricht hat keinen permanenten Link, wird also dort bald verschwunden sein, bei der KNA kommt man nur gegen Bezahlung an die Meldung):

    Mit Blick auf die Mohammed-Karikaturen hat der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky kritisiert, in Karikaturen und Filmen würden zu oft religiöse Gefühle verletzt. “Die Freiheit des Wortes und der Kunst werden nicht bedroht, wenn das, was Menschen heilig ist, der grenzenlosen Verfügbarkeit entzogen ist”, sagte Sterzinsky dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Er rief zu einer neuen Debatte über die Freiheit von Kunst und Medien sowie über den Schutz religiöser Gefühle auf.

    Jedem ist etwas anderes heilig. Am Ende bleibt von der Freiheit der Kunst und der Meinugsfreiheit also doch sehr wenig übrig. Oder genauer: Gar nichts.

    Ne, ne, Herr Kardinal, die Freiheit müssen Sie schon aushalten! Es ist auch Ihre!


  • Liebe Julia,

    du hast in meinem Weblog einen Kommentar geschrieben. Es geht um das Thema Kopftuchverbot an Schulen.

    Du hast dazu zwei Dinge gesagt: Dass es wichtiger sei, sich um die wirklich großen Probleme zu kümmern, z. B. den Kampf gegen Hunger und Armut. Und dass es gut sein, dass Kinder möglichst viele Kulturen kennen lernen. Deshalb, sagst du, bist du gegen ein Kopftuchverbot.

    Das sind zwei verschiedene Dinge, aber ich glaube, sie haben etwas miteinander zu tun.

    Jeder sollte so leben, wie er will. Das Grundgesetz garantiert uns Freiheiten, z. B. die Religionsfreiheit. Eine Frau, die ein Kopftuch tragen will, soll es tun: In der Wohnung, auf der Straße, wo auch immer. Nur in der Schule nicht, denn dort steht sie nicht für sich allein, sondern für den Staat und die ganze Gesellschaft.

    Tragen denn die meisten Frauen die Kopftücher freiwillig? Ich glaube nicht. In Hamburg sehe ich viele Frauen mit Kopftuch. Viele von ihnen tragen auch im Hochsommer einen Mantel. Freiwillig?

    Auch du hast in der letzten Zeit vielleicht den einen oder anderen Bericht über Zwangsehen und Ehrenmorde in Deutschland gelesen oder gesehen. Nicht alle Frauen in Deutschland können die Rechte nutzen, die im Grundgesetz stehen. Welches Recht im Grundgesetz ist wichtiger: Die Religionsfreiheit (der Vater besteht aus religiösen Gründen darauf, den Ehemann für seine Tochter auszusuchen) oder das Recht seiner Tochter, ihr Leben so zu leben, wie sie will? Du kannst entscheiden, in welchen Beruf du arbeiten möchtest und ob du heiraten willst und wenn ja, wen. Alle Mädchen können das nicht.

    Denken wir uns ein Mädchen. Es ist intelligent und gut in der Schule. Es möchte einmal Medizin studieren. Aber sie weiß auch, (mehr …)


  • Einfache Frage

    Warum gibt es keine Fatwa gegen Osama bin Laden? Wenn es eine gegen Salman Rushdie gibt?

    Gefragt in einem Interview der Kulturzeit mit Reza Hajatpour.

    Er war einst Mullah im Iran und hat sich dann vom Islamismus abgekehrt.

    Buchtipp: Der brennende Geschmack der Freiheit

    Ergänzung (24.7.2005): Inzwischen hat der Rat der Sunniten in Großbritannien eine Fatwa erlassen.


  • Fernsehserie zum Ramadan zu liberal

    Jedes Jahr zum Ramadan gibt es in arabischen TV-Sendern Fernsehserien speziell zu diesem Anlass. Sie boten auch immer wieder Anlass zur Kritik: Von israelischer Seite wurden den Sendungen vorgeworfen, antisemitisch zu sein.

    Dieses Jahr sei das anders, schreibt Andrea Nüsse in der Frankfurter Rundschau.

    Eine islamistische Gruppe forderte die Absetzung der in Jordanien gefilmten Serie Die Straße nach Kabul, welche die Liebesgeschichte einer Afghanin erzählt, die sich in London in einen Araber verliebt und mit ihm in ihre Heimat zurückkehrt. Dabei wird die Geschichte Afghanistans seit der sowjetischen Besatzung und anschließend unter der Herrschaft der Taliban erzählt. Die Unterdrückung der Frauen in dieser Zeit kommt dabei ebenso zur Sprache wie interne Streitigkeiten unter den Taliban-Fraktionen.

    Das war islamischen Fundamentalisten offenbar zuviel. Eine bisher unbekannte Gruppe bedrohte alle an der Produktion Beteiligten und die Serie wurde abgesetzt.

    Der Vorfall zeigt, wie groß die Macht selbst völlig unbekannter, aber gewaltbereiter islamistischer Gruppen geworden ist. Die Gruppe hat den Film nicht gesehen und warnt nur davor, dass sie alle Beteiligten verfolgen werde, „falls etwas anderes als die ,ehrbare Realität der Taliban’“ gezeigt würde. Die kann getrost als „intellektueller Terrorismus“ bezeichnet werden – so hatten arabische Medien vor zwei Jahren auch die israelische Kritik an der ägyptischen Ramadan-Serie Reiter ohne Pferd bezeichnet.


  • Was die Völker glauben

    Sophie (bis jetzt kein Weblog) schickte mir das aus dem Tagespiegel von gestern. Bitte auch nicht so bierernst nehmen.

    (…) Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragt die Amerikaner regelmäßig nach ihrer Einstellung zur Religion. Eigentlich könnten sie sich diese Mühe sparen, denn die Einstellung der Amerikaner zur Religion ist in etwa so konstant wie die Einstellung der Italiener zu ihrer Mutter. Auf die Frage „Glauben Sie an Gott?“ antworten zur Zeit 96 Prozent: „Ja.“ Das religiöseste Jahr der jüngeren US-Geschichte war 1954, damals glaubten, vielleicht unter dem Eindruck der ersten Rock’n’Roll-Konzerte, 99 Prozent an Gott. 1978 dagegen war das Jahr des großen Unglaubens: nur 94 Prozent.

    Neuerdings gehen sie bei Gallup mehr ins Detail. Sie haben auf diese Weise herausgefunden, dass drei Prozent der US-Bürger an mehrere Götter gleichzeitig glauben. Acht Prozent sind der Ansicht, sie selber seien Gott: „Gott ist für mich die Verwirklichung meines persönlichen Potenzials.“ Um diese Zahlen einschätzen zu können, sollte man wissen, dass bei den Briten nur 36 Prozent an Gott glauben, während dort 57 Prozent die Existenz von Gespenstern für erwiesen halten und 47 Prozent annehmen, dass vor einiger Zeit Aliens auf der Erde gelandet sind. So spirituell unterschiedlich sind die Völker.


  • Hexenverbrennung schützt vor Kirchensteuer nicht

    Eher zum Schmunzeln…

    Ein Arbeitgeber kann nicht die Abgabe von Kirchenlohnsteuer mit dem Hinweis darauf verweigern, dass eine Vorfahrin von ihm im Jahre 1664 als Hexe öffentlich verbrannt worden ist.

    (Gefunden bei …jurabilis)


  • Wie viele Religionen verträgt der Mensch

    Zeitgleich zur Sendung über christliche Fundamentalisten im Deutschlandradio gibt es im Deutschlandfunk eine Sendung, in der die Frage diskutiert wird, wieviele Religionen der Mensch verträgt:

    Wie viele Religionen verträgt der Mensch? Chancen und Risiken in der multikulturellen Gesellschaft Teilnehmende:

    • Nadeem Elyas, Zentralrat der Muslime in Deutschland
    • Werner Höbsch, Referat für interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln
    • Prof. Thomas Schirrmacher, Arbeitskreis für Religionsfreiheit der Deutschen Evangelischen Allianz
    • Rolf Stolz, Islamexperte

    Heute um 19.15 Uhr


  • Christliche Fundamentalisten (Radiotipp)

    Michael Neumann weist auf eine Sendung von Deutschlandradio Berlin hin: Halleluja – oder Amen! – Christliche Fundamentalisten auf dem Vormarsch ( 07.04.2004, 19:05)

    Glaubensgemeinschaften wie die weltweite Pfingstbewegung wetteifern immer lauter mit endzeitlichen Prophezeiungen, drängen mit großem Propaganda-Aufwand an die Öffentlichkeit, gleichsam spiegelbildlich zum aggressiven Islamismus. Seit einigen Jahren ist ihr Einfluss nicht nur in den USA spürbar stärker geworden. Bei seinen Recherchen fand der Autor auch in Ostdeutschland und im schwäbischen „bible belt“ Beispiele dieser Kreuzzugsmentalität. Wie weit religiöser Fundamentalismus die Gesellschaft bereits verändert und die christliche Kirche verdrängt hat, schildert das Feature an Beispielen aus Lateinamerika und Osteuropa.

    (Quelle: Forum Innenpolitk)


  • Evangelischer Bischof Wolfgang Huber zur Kopftuchdebatte

    In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau äußert sich der evangelische Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland Wolfgang Huber zum Kopftuchstreit:

    FR:Ein anderes Thema. Was halten Sie vom Vorstoß des Bundespräsidenten im Kopftuchstreit?

    Huber: Dem Ausgangspunkt stimme ich zu: Religiöse Symbole müssen im Blick auf das Grundrecht der Religionsfreiheit gleich behandelt werden. Doch das Tragen des Kopftuchs ist nicht umstritten, weil es ein Ausdruck des islamischen Glaubens wäre, sondern weil es ein politisches Symbol ist. Die Kopftuchpflicht stammt nicht aus dem Koran, sondern gehört in den Entwicklungszusammenhang des Islamismus. Das hat der Bundespräsident gar nicht angesprochen.

    FR: Johannes Rau sagt, bei einem Kopftuchverbot sei die Mönchskutte in der Schule nur schwer zu rechtfertigen.

    Huber: Seit Geltung des Grundgesetzes gab es meines Wissens keinen Konflikt über das Tragen einer Mönchskutte in einer öffentlichen Schule. Man sollte deshalb nach meiner Auffassung Lösungen suchen, die den Konfliktbereich nicht in unnötiger Weise ausdehnen. Der durch Tradition, Recht und Verfassung definierte Charakter der Schule im jeweiligen Bundesland ist zu berücksichtigen. Auch schulspezifische Gesichtspunkte sind unter Umständen zu beachten. Auch wenn das Bundesverfassungsgericht nun die Regelung durch ein allgemeines Gesetz gefordert hat, sollte man es vermeiden, das Problem nach der allzu deutschen Methode „Alles oder nichts“ zu lösen.

    FR: Gibt denn nicht das Bundesverfassungsgericht im Kopftuchurteil Gleichbehandlung aller Religionen als Richtschnur vor?

    Huber: Die Gleichbehandlung aller Religionen im Blick auf die persönliche Religionsfreiheit gibt nicht das Gericht, sondern das Grundgesetz vor. Ich bejahe sie ausdrücklich. Ich halte aber für problematisch, wie schon in dem Urteil die Regel auf unterschiedliche Symbole angewandt wird. Ich sehe keinen Grund dafür, dass sich der Gesetzgeber sklavisch an solch problematische Überlegungen hält. Insbesondere muss er berücksichtigen, dass man weder das Kopftuch selbst noch die Behauptung, jemand sei zum Tragen des Kopftuchs verpflichtet, einfach als religiöses Symbol bezeichnen kann. Die große Mehrheit der Muslime in Deutschland lehnt eine solche Pflicht ausdrücklich ab. Ihrer Integration jedenfalls wäre mit der Anerkennung einer Kopftuchpflicht für öffentliche Schulen also nicht gedient. Es fällt mir deshalb schwer zu verstehen, warum behauptet wird, die Zulassung des Kopftuchs sei um der Integration der Musliminnen und Muslime in unserer Gesellschaft willen notwendig. Auch in dieser Hinsicht rate ich zu einer behutsameren Argumentation.

    —–


  • Kopftuchdebatte: Raus „Welt am Sonntag“-Interview

    Als Ergänzung und Reaktion Raus auf die Kritik das Interview Raus in der Welt am Sonntag:

    WamS: Wie können die unterschiedlichen Kulturen und Religionen in Deutschland besser zueinander finden?

    Rau: Durch den Dialog miteinander. Aber das Problem dabei ist, dass man immer nur die Gutwilligen an einen Tisch bekommt. Die Fundamentalisten sind nicht gesprächsbereit – weder muslimische noch die christlichen oder jüdischen. Wir dürfen Toleranz nicht mit Beliebigkeit verwechseln. Für einen erfolgreichen Dialog muss man eine Überzeugung haben, zu der man steht. Und den Menschen, die zu uns kommen, müssen wir deutlich machen: Unsere Integrationspolitik ist ein Angebot, auf den Boden des Grundgesetzes zu kommen. Das heißt, wer zu uns kommt, darf seine kulturelle Tradition, seinen persönlichen Glauben mitbringen, aber er darf nicht die Frauen herabwürdigen, die Meinungsfreiheit infrage stellen. Es gibt bei uns Grundrechte, die müssen für alle gelten, und die müssen auch alle respektieren.

    WamS: Was bedeutet das im Hinblick auf den aktuellen Streit um das Kopftuch in Schulen? Sie haben mit Ihren Äußerungen dazu ja auch Kritik erfahren …

    Rau: Ja, allerdings hat mancher Kritiker offenbar nur die Überschriften gelesen. Ich habe mich ja nicht für oder gegen Kopftuch tragende Lehrer ausgesprochen. Ich weise allerdings darauf hin, dass die Entscheidungen, die jetzt in den Ländern dazu getroffen werden, auch konsequent sein sollten. Das heißt: Wenn man das Kopftuch als religiöses Erkennungszeichen an Schulen verbietet, kann man die Mönchskutte nur schwer verteidigen. Unsere Verfassung gebietet eine Gleichbehandlung der Religionen im öffentlichen Raum, also auch in den Schulen. Damit wird ja nicht unser christliches Erbe infrage gestellt. Ob wir weiterhin ein christlich geprägtes Land bleiben, hängt nicht davon ab, wie viele Menschen in Schulen welche Bekleidung tragen. Das hängt allein davon ab, wie viel überzeugte und glaubwürdige Christen es in unserem Land gibt.

    Und vielleicht noch einmal zur Klarstellung: Ich zähle mich nicht zu den Christen.
    —–