Seite 3 von 44

Hamburg sagt „Ja“ zur Glasfaser bis ins Wohnzimmer

Nein, tut es nicht. Das haben die Züricher getan.

Der Gemeinderat von Zürich hatte schon 2006 den Aufbau eines eigenen Glasfasernetzes beschlossen. Nun war eine neue Volksabstimmung nötig, weil für den Ausbau neue Kredite erforderlich sind.

Wäre das nicht einmal ein Thema für eine Volksabstimmung in Hamburg?

Hamburg hatte einmal einen „eigenen“ Internetprovider: Hansenet. Die Stadt hat den Fehler gemacht, das Netz an die Telecom Italia zu verkaufen.

Damit haben die Bürger der Stadt keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung der Telekommunikationsnetze.

Die Stadt will Teile der Versorgungsnetze wieder übernehmen. Hier böte sich die Chance, Einfluss zu nehmen. Der Senat sollte die Versorgungsunternehmen verpflichten, bei Leitungsarbeiten auch Glasfaser zu verlegen.

Untergang der Musikindustrie – vor 30 Jahren

Es ist ja so: Jedes Mal, wenn sich eine neue Technik zur Verbreitung von Filmen, Musik oder anderen Werken durchsetzt, fängt die Inhalteindustrie an zu weinen. Immer glaubt sie, das neue Medium werde nur dazu benutzt, Inhalte zu klauen und die natürlich völlig selbstlosen Kreativitätsverwerter in den Ruin zu treiben.

Vor mehr als dreißig Jahren kam eine Technik auf den Markt, die heute nur noch Nostalgiker kennen: die Leerkassette. Leute in meinem Alter saßen vor ihren Radios und schnitten kostenlos (Oh, diese Kostenloskultur!) Musik mit.

Cliphead hat in seinem Bravo-Archiv gewühlt und einen schönen Artikel gefunden: „Sind Leer-Cassetten der Tod der Schallplatte?“

Und immer noch kann ich Musik, Filme und Bücher kaufen.

Und schon damals nahmen die Lobbyisten Einfluß auf den Gesetzgeber. Den Aufschlag für die Gema und andere zahlen wir inzwischen auch auf CD-Rohlinge, USB-Sticks, Kopierer, Kopierpapier, Druckertinte, MP3-Spieler, … Einfach auf alles, auf das irgendwie „Inhalt“ kopiert werden kann.

Kommt mir bekannt vor, das Gejammer von damals.

(via: Wirres)

Hammer, Alter!

Heute trifft sich die Jüngerschar an der Stelle, an der einst das Geburtshaus des Meisters stand.

Und jetzt auch als zur Jahreszeit passendes Andenken:

„Hammer, Alter!“ ist der Titel eines noch unveröffentlichten Dialogs im Stile Arno Schmidts von H.T.

Nachtrag, 19.1. Er hat ihn rausgerückt: Hammer, Alter! Warten auf Arno Schmidts Hundertsten.

Liebe Susanne Fischer, lieber Bernd Rauschenbach!

Das ist mir unsagbar peinlich.

Ich fahre aus Hamburg zu ihrer Lesung der Schmidtschen Pocahontas und der Tagebücher von Alice Schmidt nach Lübeck ins Günther Grass-Haus, setze mich in die erste Reihe und dann – dann schlafe ich ein.

Beinahe.

Ich bekam regelmäßig von rechts einen Stoß in die Rippen. Gut so!

Das, lieber Herr Rauschenbach, lag auch an ihrer wunderbaren, beruhigenden Stimme. Und an der Nacht mit schlechtem Schlaf vorher, ok. Und als Kind bekommt man natürlich auch zum Einschlafen vorgelesen. Frühkindliche Prägung eben. Lahme Entschuldigungen, ich weiß.

Das muss ein deprimierender Anblick gewesen sein. Oder – sagen sie mal – kommt das bei jeder ihrer Lesungen vor? Gibt es so etwas – den Lesungsschläfer?

Ihnen, Herr Kersten, verspreche ich jedenfalls, dass ich nicht einschlafen werde, wenn sie am 20. Oktober aus ihrem Buch „Arno Schmidt in Hamburg“ lesen. Ich werde mir jedenfalls Mühe geben.

Creative Commons Lizenzen in Deutschland gerichtlich durchgesetzt

Manchmal wissen auch deutsche Gerichte, was sie tun:

Das Landgericht Berlin hat in einem Beschluss vom 8. Oktober 2010 (Az. 16 O 458/10) die Nutzung eines CC-lizenzierten Fotos wegen eines Lizenzverstoßes verboten. Dies stellt – soweit bekannt – die erste erfolgreiche Durchsetzung einer Creative Commons Lizenz in Deutschland dar.

via Creative Commons Lizenzen in Deutschland gerichtlich durchgesetzt | ifrOSS.

Gelassenheit

So ein bisschen Gelassenheit könnte ich jetzt auch gebrauchen:

Unter Gelassenheit verstehen wir die Haltung dessen, der das, was er nicht ändern kann, als sinnvolle Grenze seines Handelns in sein Wollen aufnimmt, der die Grenze akzeptiert. (Spaemann, Gefunden bei Scipio)

Wir haben nämlich unser nämlich das Gebäude für unser Baugruppenprojekt nicht bekommen. Zwei Jahre Arbeit…

Also von vorn beginnen.

Was für eine Wahl!

Mein Stift schwebte schon über der Piratenpartei oder der FDP. Eine Stimme zumindest wollte ich absplitten. Aber zu viele Freunde haben mir erzählt, dass sie gegen eine „drohende“ absolute Mehrheit der SPD stimmen wollen. Also bin ich kein Risiko eingegangen und habe meine gespaltene politische Persönlichkeit nicht ausgelebt. Und es hat sich ja gelohnt.

Drei konservative, rückwärtsgewandte Parteien haben somit in der Hansestadt verloren: die CDU, die Grünen und die Linkspartei.

Mit Scholz hat ein Politiker eine Wahl für die SPD gewonnen, der zur Agenda 2010 steht. Das ist ein Signal auch an die Bundes-SPD: Steht zu eurer Politik und versucht nicht, der Linkspartei hinterher zu laufen.

Dazu passt das Ergebnis der Linkspartei: Trotz ihrer Versuche, Scholz wegen Hartz-IV anzugreifen, hat sie keine Wähler gewonnen. Und das, obwohl die Mehrheit mindestens für ein rot-grünes Bündnis praktisch feststand. Sollte es für die SPD oder ein geplantes rot-grünes Bündnis bei den nächsten Wahlen knapp werden, wird die Linkspartei Stimmen verlieren und nicht mehr in die Bürgerschaft kommen.

Die Grünen sind hart gelandet: Im Herbst letzten Jahres galten die Grünen schon als neue Volkspartei und die SPD als ihr Anhängsel. War wohl nichts: Sie konnte nur knapp ein zweistelliges Ergebnis erreichen. Dabei werden die GAL auch viele gewählt haben, die eine absolute Mehrheit der SPD verhindern wollten. Ein zweistelliges Wahlergebnis wird in Zukunft nicht sicher sein.

FDP: Glückwunsch! Auch wenn ich früher anderer Ansicht war: Wir brauchen die FDP in den Parlamenten. Ein sozialliberales Bündnis sollte in naher Zukunft wieder möglich sein.

Tasche des Terrors

Es ist kurz nach fünf, ich sitze in der U2 und bin auf dem Weg nach Hause. Wir fahren in die Station Schlump ein. Jemand ruft: „Hat jemand die Tasche vergessen?!“ Zuerst in den Wagen hinein, dann auf den Bahnsteig. Niemand meldet sich, auch nicht auf die Frage, ob jemand den Besitzer der Tasche gesehen habe.

Der Zug fährt nicht weiter. Ein paar Minuten vergehen. Oben fährt eine U3 ein und mehr Leute steigen in den Waggon ein. Jemand will sich in die leere Vierergruppe setzen. „Dort nicht! Dort nicht hinsetzen!“ Die Frau zuckt mit den Schultern und bleibt im Eingangsbereich des Wagens stehen.

Genervtes Stöhnen, Gemurmel, die werden doch nicht wegen so einer blöden Tasche einen Bombenalarm ausrufen?

Eine Durchsage: „Dies ist eine Anweisung der Polizei Hamburg. Bitte verlassen sie sofort den Zug und die Station! Der Bahnhof wird wegen eines herrenlosen Objekts geräumt!“

Kopfschütteln und verdrehte Augen. Die Sicherheitsleute scheuchen uns aus der Station. Panik hat niemand. Die meisten sind eher genervt, weil sie jetzt nicht so schnell nach Hause kommen.

Die U3 oben fährt noch. Über Hoheluft und mit dem Bus komme ich dann auch nach Hause.

Und hier die Tasche der Angst, unscharf mit meinem alten Handy aufgenommen.

Schon erstaunlich, dass so eine Tasche überhaupt während der Fahrt entdeckt wird. Oder hat sie jemand gemeldet? Oder streifen doch in zivil ständig Sicherheitsleute durch die Wagen auf der Suche nach verdächtigen Objekten?

Ein bißchen Geschichte

Wikileaks Cablegate erinnert an einen anderen großen Skandal: Watergate.

Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post deckten damals die Machenschaften von Präsident Nixon gegen seine politischen Gegner auf. Diese Berichterstattung führte zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen Nixon, der schließlich zurücktrat.

In dieser Zeit hat keine Bank die Zusammenarbeit mit der Washington Post gekündigt, die Druckereien haben die Zeitungen gedruckt und die Speditionen sie ausgeliefert. Das Elektrizitätswerk hat weder der Redaktion noch den Druckereien den Strom abgestellt.

Damals, liebe Amazons, Paypals und Everydns, hatten Unternehmen noch Rückgrat.

Staats-PR-Journalisten

Jakob Augstein im Freitag über Journalisten, die Wikileaks Verantwortungslosigkeit und kriminelles Handeln vorwerfen:

Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Es ist ernüchternd, sie von Journalisten zu hören. Das embedding, das als kluge PR-Strategie der amerikanischen Armee im Irak-Krieg begann, ist hier weit gediehen. Ein Journalist, der die Wikileaks-Daten zuerst unter dem Gesichtspunkt der nationalen, oder – schlimmer noch – westlichen Sicherheit sieht, hat sich selbst erfolgreich zu Bett gebracht – und die Pressefreiheit gleich mit.

via Wikileaks: Wir Untertanen — Der Freitag.

Und dann wundern sich die Zeitungen über sinkende Auflagen?