Artikel zum Thema ‘Politik’

Vorratsdatenspeicherung verfassungswidrig – Danke

Dienstag, 02. März 2010

Als Mitkläger freut mich das natürlich besonders:

Die Massen-Speicherung von Telefon- und Internetdaten zur Strafverfolgung ist unzulässig. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschied am Dienstag, dass die Vorratsdatenspeicherung gegen die Verfassung verstößt. Sie ist dem Urteil zufolge mit dem Telekommunikationsgeheimnis unvereinbar.  (Heise mit noch viel mehr Details)

Was die SPD und speziell Herr Wiefelspütz wohl dazu sagt? Werden die es jetzt endlich begreifen?

Der AK Vorratsdatenspeicherung fordert die Aufhebung der EU-Richtlinie.

Weitere Berichte wird es sicherlich bei Netzpolitik.org geben.

Ergänzung:

Das Karlsruher Urteil schließt eine Speicherung der Daten jedoch nicht generell aus. Die deutschen Verfassungsrichter stellten nicht die Zulässigkeit der EU-Richtlinie in Frage, die Grundlage für das Gesetz in Deutschland ist. Bei der Speicherung handele es sich aber “um einen besonders schweren Eingriff mit einer Streubreite, wie sie die Rechtsordnung bisher nicht kennt”. Darum müsste ein derartiger Eingriff an strengste Bedingungen geknüpft werden. Diese Voraussetzungen erfüllt das deutsche Gesetz laut dem Urteil nicht. (Aus dem Heise-Artikel)

Also doch noch viele Chancen für die Regierung, eine abgespeckte Vorratsdatenspeicherung durchzusetzen. Aber immerhin ist die Öffentlichkeit jetzt aufmerksam geworden. Bürger, sei wachsam! ist jetzt die Devise.

Klimawandelatheismus

Montag, 11. Januar 2010

Bei aller Abneigung gegen die Klimawandelhysterie und ihre religionsartigen Auswüchse: Bloß weil es jetzt einmal ein bisschen schneit, ist die Erwärmung nicht abgesagt. Ein kalter Winter (haben wir überhaupt einen besonders kalten Winter?) macht genauso wenig eine Abkühlung wie ein heißer Sommer eine Erwärmung. Ein wenig Ahnung von der Physik komplexer Systeme (vulgo: Chaostheorie) würde schon helfen, liebe „Klimaskeptiker“ von der Achse des Guten. Man bleibt glaubwürdig, wenn man sich nicht auf Stammtischniveau begibt und Anklickmeinungsumfragen im Netz als Maßstab zur Ermittlung der Wahrheit nimmt.

Dieser ganze Klimawandelatheismus macht die ansonsten erfrischend proamerikanische, proisraelische und liberale Achse des Guten reichlich unglaubwürdig.

(Wieder) mehr Zensur, zu früh, frustrierter Journalist

Donnerstag, 07. Januar 2010

Da dreht schon wieder jemand am Rad der Zensur: Jugendmedienschützer sollen sich um Social Networks und Zugangsprovider kümmern (Heise). Diese Passage klingt nach Deutschlandnet statt Internet:

Ein weiteres Zulassungskriterium in dem Entwurf sieht vor, dem Nutzer die Wahl zu lassen, ob er „unvermeidbare Zugangsbeschränkungen“ beim Zugriff aus ausländische Angebote in Kauf nehmen will.

„Unvermeidbare Zugangsbeschränkungen“ – der erste Kandidat für das Unwort des Jahres 2010?

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Paul Thurrott weist darauf hin, dass Microsoft schon 2002 einen Tablet-PC auf dem Markt hatte. Sie waren wohl damals genauso zu früh damit wie Apple seinerzeit mit dem Newton.

Dennoch wird Apple wieder einmal die Lorbeeren einstreichen und als innovative Firma dastehen.

Apple hat die Medien voll unter Kontrolle, sogar die Lecks kontrolliert Apple selber. Walt Mossberg könnte ebenso gut als Journalist wie als von Apple bezahlter PR-Mann durchgehen.

Was nicht heißt, dass die Produkte schlecht sind. Apple macht es ja meistens nahezu perfekt, auch durch den Verzicht auf zu viele Features. Es bleibt spannend.

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Paul Thurrott ist eine tragische Figur. Er hat sich als Journalist auf alles rund um Microsoft spezialisiert, aber Microsoft ist nicht mehr sexy. Wann haben die Käufer das letzte Mal wegen eines Microsoftprodukts die Läden gestürmt und Schlange gestanden? War das für Windows 95? Oder doch noch XP?

An vielen Bemerkungen in Windows Weekly und besonders an seinem Bericht über die Keynote von Steve Ballmer auf der CES merkt man, wie frustrierend es ist, über den „Verlierer“ berichten zu müssen.

Es sieht so aus, als ob Microsoft den privaten Endkundenmarkt schon aufgegeben hätte. Vielleicht werden wir Microsoft bald nur noch im Unternehmensmarkt sehen. Dort kann man Geld verdienen und die Produkte sind nicht schlecht. Langeweile ist in der Unternehmens-EDV eher ein Plus.

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Mit einer Kabel-Deutschland-Triple-Play-Kundin telefoniert. Italien (0039 40… im Display) ist um die Ecke und Echos ohne Ende gab’s dazu.

An die Kopierer, fertig, los!

Montag, 04. Januar 2010

Telepolis listet Werke auf, die seit dem 1.1.2010 gemeinfrei sind. Darunter sind die Werke von Sigmund Freud und Joseph Roth. Kein solcher Artikel ohne Hinweis auf die geplante Erweiterung von Leistungsschutzrechten:

Im Gegensatz zur Literatur bestehen für Musikaufnahmen nämlich auch Monopolrechte von Musikern und Plattenfirmen, die derzeit nach 50 Jahren ablaufen. Praktisch bedeutsam sind vor allem die Rechte der Plattenfirmen, die den meisten Musikern standardmäßig Nutzungsrechte abringen, so dass diesen die Leistungsschutzrechte in der Praxis nichts nützen. Trotzdem will die EU ihre Mitgliedsstaaten zu einer Verlängerung dieser Frist für Leistungsschutzrechte zwingen, was aus Rechts- und Wirtschaftswissenschaften heraus scharf kritisiert wird.

Die EU zwingt? Doch wohl eher die Mitglieder der EU sich selber. Als bequeme Ausrede, sich vor Diskussionen zu drücken, taugt die EU immer. Die Musiker hätten übigens, wie im Zitat erwähnt, nichts davon. Und 50 Jahre sollten für eine Plattenfirma doch wohl Zeit genug sein, Geld zu verdienen.

Passend dazu: Fahrenheit 451… Book burning as done by lawyers

Wird ein Linksruck die SPD retten?

Sonntag, 04. Oktober 2009

Ein Linkskurs wird die SPD nicht retten. Da ist nämlich schon jemand: die Links­partei.

Die kann problemlos linke Opposition sein, weil sie nicht mit einer früheren Regierungs­beteiligung belastet ist. Sie hat der Agenda 2010, der Rente mit 67 und dem Einsatz der Bundes­wehr in Afgha­nistan niemals zugestimmt.

Das wird die SPD noch zu spüren bekommen: Die Links­partei wird Anträge einbringen, die Rente mit 67 und die Hartz 4 Reformen rückgängig zu machen. Sie wird fordern, die Bundes­wehr sofort aus Afghanistan abzuziehen.

Bei einem Wettrennen nach links kann die Links­partei wie der Igel im Märchen immerzu rufen: „Ick bün all dor!“

Diese Strategie der Anpassung hat schon bei den Grünen nicht funktioniert.

Nach dem Sturz Helmut Schmidts änderte die SPD ihre Politik. Die neu gegründeten Grünen zogen immer mehr Wähler an sich, die SPD wollte sie wieder zurückholen.

Die SPD-Linken setzten gegen die Regierungs­prag­matiker einen Kurs­wechsel durch. Die SPD lehnte jetzt die Statio­nierung der Pershing-II-Raketen in Deutschland ab. Aufkleber mit „Atomkraft – nein danke!“ zierten fortan auch Autos von Sozial­demokraten. Statt Plastik­kugel­schreibern verteilten Wahl­kämpfer Blei­stifte – natürlich unlackiert – und Stoff­taschen.

Genutzt hat die Anpassung an den grünen Zeit­geist nur den Grünen. Sie sind inzwischen stärker denn je.

(Der Autor bekennt sich schuldig, als Juso daran mitgetan zu haben.)

So darf es eben nicht bleiben

Mittwoch, 30. September 2009

Franz Walter im Spiegel:

Kleine Zirkel, undurchsichtige Clans, durch nichts legitimierte Cliquen basteln dieser Tage in ihren Hinterstübchen an Personaltableaus. Was scheren sie die Mitglieder? Die haben dann, wenn in den Parteiloligarchien demnächst alles geklärt und abgesegnet ist, einstimmig zu nicken und uniform Folge zu leisten. Man wird ihnen herrisch von oben, aus dem Binnenraum der Cliquen, zurufen: Es sei nun keine Zeit für ausufernde Debatten und unfruchtbares Gezänk!

Ich fürchte, so wird es kommen.

Und es wird dauern, auf jeden Fall länger als die vier Jahre bis 2013.

Vielleicht sogar noch einmal genau so lange wie nach der Abwahl Schmidts? Bis die Generation Agenda 2010 aus den Ämtern gewachsen ist?

Wahlprognose Bundestagswahl 2009

Sonntag, 27. September 2009

Und hier die Wahlprognose für den Ausgang der Bundestagswahl.

Die Umfrage basiert auf genau einer Befragung und ist natürlich trotzdem völlig repräsentativ.

SPD:   28

CDU:  34

FDP:   12

Grüne:   11

Linke:   11

Sonstige:   4

 

Kurz: Es reicht nicht ür schwarz-gelb. Knappe Mehrheit für rot-rot-grün. Es wird eine große Koalition.

Atomistic View

Dienstag, 22. September 2009

Ein schönes Zitat aus der nettime-Mailingliste von Felix Stalder: (über: Jürgen Fenn)

The pirates, by and large angry white (young) men, advance primarily a negative concept of freedom (no surveillance, no copyright) in service of strong, productive individuals. Based on this atomistic view of freedom they envision organic communities of the like-minded. A kind of American-style libertarianism.

In certain contexts, like the volunteer communities of the internet, this can be a progressive position, but extended to society at large, it takes on a strong right-wing character. Because it has no sense of solidarity expect for peers, which are thought of as a select group. As long as there is infinite space to multiply the groups, as there is on-line, this is less of a problem, but off-line, this turns into exclusion.

Was wählen (3): Grüne

Dienstag, 22. September 2009

Ich bin eigentlich schon ganz schön grün, irgendwie.

Ich habe kein Auto. Ich fahre Bahn oder Bus, bin zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs. Ab und zu ergänzt ein Taxi oder ein Miet­wagen den Mix.

Ich kaufe den überzeugendsten Ökostrom, den ich finden konnte, keinen so genannten Ökostrom von den alten Monopol­­konzernen, die für jede Kilowatt­­stunde aus ihrem „Öko“-Tarifen an die Normal­­tarif­kunden nur eine Kilowatt­stunde Atom­strom mehr verkaufen.

Ich halte mich für liberal. Liberal in dem Sinne, dass jeder so leben soll, wie er mag. Ich habe nichts gegen „wilde“ Ehen (die wie meine eigentlich ganz schön ruhig sein können ;-) oder sonstige Formen von Lebens­gemeinschaften.

Trotz einiger Ausreißer engagieren sich die Grünen für Bürger­rechte, gegen Zensur und diskutieren offen das Urheber­recht.

Passt ganz gut. Und ich habe sie auch schon gewählt, taktisch, weil ich rot-grüne Bündnisse wollte.

Aber:

Kaum irgendwo gibt es so viele Anthroposophen, Esoteriker, Anhänger der „Alternativmedizin“ und allgemein Menschen, die vor der Moderne und besonders vor Technik schlicht Angst haben.

Ich will keine Schulen fördern, in denen Schüler ihren Namen tanzen. Der größte Mangel an unseren Schulen ist schlechter naturwissenschaftlich-technischer Unterricht. Die Grünen stehen eher für einen Unterricht, der die Kreativität fördert. Und damit ist dann gemeint: Malen und Musik.

Sie sind auf dem multikulturellen Auge blind. Deutschland ist ohne Zweifel ein Einwanderungsland. Ausgerechnet die Grünen verharmlosen die frauenfeindliche islamisch-patriarchale Kultur unter vielen Einwanderern und ihren Kindern.

Ein Einwanderungsland muss integrieren können. Dazu gehört eine gemeinsame Sprache. Doch das stellt für die Grünen offensichtlich ein Problem dar. Sie protestierten gegen den recht harmlosen Einbürgerungstest. Als eine Schule in Berlin-Wedding Deutsch zur „Pausenhofsprache“ erklärte, protestierten Grüne. Grüne engagieren sich für das frauenunterdrückende Kopftuch.

Die Grünen sind bereit, die Pressefreiheit für den multikulturellen Frieden zu opfern. Im Karikaturenstreit standen die Grünen eher auf Seiten der Islamisten. Westlichen Werten wie Meinungs­freiheit stehen die Grünen im Zweifel wohl eher kritisch gegenüber.

Unterm Strich auch hier: eher nicht.

Was wählen (2): Piratenpartei – dann eher doch nicht

Mittwoch, 16. September 2009

Bei dieser Wahl steht eine neue Partei auf meinem persönlichen Wahlzettel: die Piraten. Sie scheinen die einzige Opposition gegen den Überwachungs- und Bevormundungsstaat zu sein, der sich seit den Anschlägen vom 11. September entwickelt.

Auf den ersten Blick eine gute Wahl. Genügend Frust nach all den ergebnislosen Protesten gegen Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren hat sich angesammelt, um einen chancenlosen Außenseiter zu wählen.

Aus dem zweiten Blick folgt eine andere Entscheidung.

Die Piraten haben ein sehr technokratisches Politikverständnis. Sie begreifen sich als Experten. Technisches Detailwissen entscheidet darüber, ob sie jemanden als Gesprächspartner ernst nehmen oder nicht.

Wer keine Ahnung hat, soll sich beraten lassen. Entscheidet sich der Beratene dann anders als gewünscht, kann dass nur an seinen bösen Absichten oder seiner Unfähigkeit liegen.

Fachkompetenz kann nie schaden. Doch der Glaube, nur ein „Experte“ könne richtige Entscheidungen treffen, hat eine Kehrseite: Zu anderen als ihren Themen haben die Internetexperten keine Meinung.

Deshalb kursiert unter Piraten die Idee, sich in Parlamenten der Fraktion einer anderen Partei anzuschließen. Einer Fraktion, die bei den Piratenthemen in ihrem Sinne abstimmt. In anderen Politikfeldern würden die Piraten dann wie diese Partei stimmen, also deren „Experten“ folgen.

Wenn es aber so ist, dass nur Experten richtige Entscheidungen treffen können, warum machen wir uns dann den ganzen Aufwand mit Wahlen und Abstimmungen? Warum nicht einfach Expertengremien regieren lassen!?

Dafür gibt es einen Grund:

Politische Entscheidungen fallen eben nicht nur auf Grundlage von vermeintlich objektiven Fakten. Politische Entscheidungen sind Wertentscheidungen.

Zum Beispiel Gesundheit: Die Entscheidung, jedem Menschen medizinische Versorgung zukommen zu lassen oder nicht, kann ich nicht auf Grund von Fakten allein treffen. Es ist eine Wertentscheidung. Bin ich der Ansicht, dass jeder für sich selbst sorgen muss, werde ich eine Krankenversicherung für alle ablehnen. Mit den Konsequenzen für Menschen mit sehr wenig Geld. Bin ich der Meinung, dass medizinische Versorgung ein Grundrecht eines jeden Menschen ist, muss ich für die Finanzierung des Gesundheitssystems mit Zwangsabgaben sorgen. Scheinbar objektive Argumente lassen sich für jede dieser Alternativen finden.

Der einzige Wert der Piratenpartei ist Freiheit. Sie wird absolut gesetzt, ähnlich wie in sozialistischen Ideologien die Gleichheit. Jede andere Orientierung scheint der Piratenpartei zu fehlen. Deshalb ist jede Meinung und jedes Weltbild gleich viel wert.

Und so akzeptiert man dann auch rechte Thesen. Ein Bodo Thiesen darf deutsche Kriegsschuld leugnen und über Gaskammern philosophieren. „Nicht Meinung der Partei, sondern nur seine Privatmeinung“, ist die Reaktion. Er behält alle Parteiämter. Ergänzung (16.9.09): Gegen Thiesen läuft ein Ausschlussverfahren. (Hinweis von Paul in den Kommentaren)

Wie naiv Piraten mit Rechten umgehen, zeigt ein Blogeintrag von Andreas Popp, Stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland. Er hatte der schwarzbraunen Postille „Junge Freiheit“ ein Interview gegeben. Als Kritik in den Blogs und bei Twitter hochkam, rechtfertigte er sich, musste aber zugeben, dass er das Interview autorisiert hatte, obwohl er sich vorher bei Wikipedia über die Zeitung informiert hatte.

Einen schönen Einblick in das Denken der Piratenanhänger bietet auch die Diskussion im Heise-Forum zum Rückzug von Hubertus Grass, Bundestagskandidat der Grünen, von Abgeordnetenwatch. Grass wollte nicht zusammen mit dem NPD-Vorsitzenden Udo Voigt auf einer Plattform erscheinen. Mehrheitsmeinung der Piratenanhänger dort: Die private betriebene Plattform Abgeordnetenwatch müsse Voigt eine Plattform bieten, alles andere sei undemokratisch. Freiheit über alles eben.

So eine Wurschtigkeit will ich im Bundestag dann doch nicht sehen.