Kategorie: Weniger Freiheit


  • Kommentarzensur, die Mittagspause und Xsadfkmslllasfsdf

    Nicolas Vogel fragt sich:

    Wer Kommentare als Funktionalität einbindet, muss alles stehen lassen oder findet sich in der Rolle des Zensors wieder. Oder ist man schon Zensor, wenn man die Funktionalität unterläuft?

    Nein, Zensur ist es nicht, weder so noch so. Schließlich kann der betroffene Kommentator jederzeit anderswo schreiben oder sein eigenes Blog aufmachen.

    Wer aber nur Lobhudeleien als Kommentare auf seiner Seite hat, macht sich schnell unglaubwürdig.

    Außerdem spielt er ein Suchmaschinenspielchen. Wer hat alles die Buchstabenfolge Xsadfkmslllasfsdf auf seine Seite geschrieben?

    Jede Seite mit Xsadfkmslllasfsdf könnte natürlich auch noch eine Buchstabenkombination veröffentlichen: Xsadfkmslllasfsdfa (ein Buchstabe mehr!), die dann zusatzlich auf Webseiten gebracht wird, die durch diese Webseite auf Xsadfkmslllasfsdf aufmerksam wurden. Und immer so weiter…

    Ja, ja, schon gut, sinnlose Mittagspausengedanken.


  • Darum CT und nicht Chip lesen

    Das Computermagazin Chip hat alle Links auf den russischen Musik-Download-Shop allofmp3.com entfernt. Das berichtet der Spiegel.

    Der Heise-Verlag hat die Links auf Heise.de nicht entfernt:

    Links gehörten in die Online-Berichterstattung wie die Seitenzahlen in eine Zeitschrift, sagte „c’t“-Redakteur Holger Bleich. Man wolle den Lesern nicht in vorauseilendem Gehorsam Informationen vorenthalten, nur weil sie den kommerziellen Interessen einer Gruppe von Unternehmen entgegenstünden.

    Die deutsche Musikindustrie will verhindern, dass Links auf allofmp3 gesetzt werden, weil auch deutsche Kunden dort einkaufen können. Allofmp3.com hat jedoch keine Lizenzen, um Musik nach Deutschland zu verkaufen. Außerdem dürfte die Musikindustire nicht darüber erfreut sein, dass die Dateien nicht durch DRM „geschützt“ sind.

    Seiten mit Links auf allofmp3.com und positiven Testberichten werden jetzt abgemahnt.


  • Nach dem Terror in London: Noch mehr Einschränkungen von Bürgerrechten

    Heiko fragt zurecht, was denn nun die schärferen Sicherheitsgesetze, die nach dem 11. September verabschiedet wurden, gebracht haben?

    Mehr Überwachung der Bürger hat diesen Anschlag nicht verhindert. Und wird auch zukünftige Anschläge nicht verhindern.

    Im anlaufenden Bundestagswahlkampf wird diese Einsicht wohl keine Rolle spielen. Politiker aller Parteien außer der Grünen werden sich überschlagen dabei, noch schärfere Sicherheitsgesetze zu fordern.

    Alles was dadurch erreicht wird: Wir gäben die Freiheit auf, die uns anderen Gesellschaftsordnungen überlegen macht. Und bekämen nichts dafür.

    Die Anschläge könnten CDU und SPD nützen. Wenn das Sicherheitsbedürfnis wächst, wenden sich die Wähler eher wieder den großen Parteien zu. Zum Thema Innen- und Sicherheitspolitk hat sich die Linkspartei jedenfalls noch nicht geäußert.


  • Überwachung – Offener Brief an SPD und CDU

    Als Reaktion auf das Wiefelspütz-Interview in der Frankfurter Rundschau hat die Initiative Stop 1984 einen Offenen Brief an die SPD geschrieben:

    Herr Müntefering, bitte überlegen Sie angesichts dieser Entgleisung eines einzelnen Parteimitglieds, ob solche Äusserungen wie die von Herrn Wiefelspütz in der Öffentlichkeit als allgemeiner Konsens der SPD-Bundestagsfraktion angesehen werden sollen, und welcher Schaden daraus bei den Wählern für das Image Ihrer Partei entstehen könnte.

    Zusätzlich hat die Initiative einen Offenen Brief an Herrn Zeitlmann und die CDU geschrieben, in dem sie die Forderung nach Zugriff für die Geheimdienste auf die Daten des Maut-Systems kritisiert.


  • Submission zum Herunterladen

    Der Film „Submission“ des ermordeten niederländischen Filmeachers Theo van Gogh kann auf der Seite „Genoeg nu“ heruntergeladen werden.

    (Update) Bei „Genoeg nu“ ist der Film nicht mehr zu bekommen. Vielleicht haben sie nur ihr Übertragungsvolumen verbraucht, wer weiß?

    Aber bei ifilm gibt es ihn noch, wenn auch nur als Livestream.

    (Quelle: Telepolis)


  • TAZ interviewt Lawrence Lessig

    Die TAZ veröffentlicht in der heutigen Ausgabe ein Interview mit Lawrence Lessig, Mitbegründer von Creative Commons.

    Zu den Versuchen, die Nutzbarkeit des Netzes auf bestimmte Anwendungen zu begrenzen, sagt er:

    Nehmen Sie zum Beispiel das Straßennetz. Wir sagen nicht zu irgendeiner Autofirma: Wir lassen euch die Autobahn bauen, im Gegenzug dürft ihr sie so gestalten, dass nur eure Autos darauf fahren können. Das macht keine Regierung der Welt, im Straßenbau würde niemand so eine diskriminierende Politik verfolgen.


  • Kreuzzug gegen Linux

    Dank des Münchner Stopps des Linux-Umstiegs beschreibt jetzt auch der Spiegel die drastischen Auswirkungen von Softwarepatenten.


  • Inverssuche mit Uralt-Daten

    Vor drei Jahren bin ich umgezogen, aber mein alter Vermieter schickt mir immer noch die Briefe hinterher, auch wenn es nur bunte Werbung ist.

    Gestern kam die Post von der Telekom. Keine Werbung, sondern der Informationsbrief zur so genannten Inverssuche bei der Telefonauskunft.

    Ich habe meine Adresse gleich sperren lassen. Ein Anruf bei 01375 / 10 33 00 und 12 Cent war es mir wert.

    Aber wenn die Daten der Telekom drei Jahre alt sind, erledigt sich das Thema von selbst. Und ich bin für die Telekom nicht etwa unbekannt verzogen, nein, nein, ich war die letzten drei Jahre immer noch Kunde dort, habe die Rufnummer mitgenommen und bekomme meine Rechnungen auch an die richtige Adresse.


  • Vertreibung aus dem Paradies

    Ist es bald vorbei mit dem Internet als Hoffnung auf freien Meinungsaustausch und und friedlichem globalen Dorf?

    Die Zahl der Internetnutzer ist kräftig gewachsen. Jetzt scheint eine Art kritischer Masse erreicht zu sein. Das Internet bietet einfach zu viele Freiheiten.

    Die Urheberrechtsverwertungsindustrie darf demnächst selbst bei Providern anklopfen und von ihnen Kunden- und Verbindungsdaten verlangen. Was wird die Industrie damit machen? Datenbanken erstellen? Wird sie bald selber Wohnungen durchsuchen und Festplatten beschlagnahmen dürfen?

    China nächster Exportschlager wird vielleicht eine Software:

    Ein neu entwickeltes Echtzeit-Überwachungssystem sucht in den Textnachrichten nach Begriffen oder Redewendungen, die auf einem nicht näher spezifiziertem Index stehen.

    Natürlich mal wieder nur nach Nachrichten mit pornografischem und obszönem Inhalt. Schon klar.

    Und bald wird das chinesiche Netz dann ganz sauber: China möchte ein eigenes Internetprotokoll (Ipv9) einführen. Es wird natürlich Übergänge zum internationalen Netz geben. Nur: Die kann die Regierung dann auch ganz genau kontrollieren.

    Ein wenig Trost, zumindest für Deutschland: Es gibt noch Datenschützer, die protestieren. Und vielleicht bekommt die Regierung doch noch ein Informationsfreiheitsgesetz hin, bevor sie abgewählt wird.

    Ich sollte nicht mehr bei Heise lesen.


  • Mehr Telefonlauscher

    In Deutschland werden immer mehr Telefone abgehört. Darauf weist der Bundesbeauftragte für den Datenschutz in einer Pressemitteilung hin:

    Waren es im Jahr 2002 noch 21.874, belief sich die Zahl der Überwachungsmaßnahmen im Jahr 2003 auf insgesamt 24.441 Anordnungen. Im Vergleich dazu wurden im Jahr 1995 lediglich 4.674 Überwachungsanordnungen gezählt. Dies ist eine Steigerung von mehr als 400 % in weniger als einem Jahrzehnt.

    Quelle: Frankfurter Rundschau