Kategorie: Lesen


  • Nicht unpolitischer Krimitipp und ein bisschen Rushdie

    Ich mag fiktive Schnüffler, die auch mal politisch denken. Wie Pepe Carvalho, erfunden von Manuel Vázquez Montalbán. Denke ich an Carvalho habe ich auch immer die Stimme Manfred Krugs im Ohr, der ihn vor vielen Jahren in einigen Hörspielfassungen gesprochen hat.

    Jacob Fabian, als Privatdetektiv von Christoph Ernst erdacht, ist auch so einer:

    Ryanair eilt der Ruf voraus, ebenso billig wie arbeitnehmerfeindlich zu sein. Was die Moral des Konsumenten zu einer Geldfrage macht. […] Die Alternative hieß Lufthansa. Lufthansa flog ab Hamburg, war teuer und genauso unkoscher. Nach Neuauflage des fabelhaften iranischen Mordaufrufs hatte die Firma verlautbaren lassen, künftig  werde man Rushdie nicht mehr befördern. Aus Sicherheitsgründen. Persische Staatsdiener durften weiterhin Bonusmeilen sammeln. Was den Westen so glaubwürdig macht, ist die Prinzipientreue, mit der er seine Ideale vorlebt.

    Aus: Christoph Ernst, Kein Tag für Helden (Textauszug), Emons Verlag (mit nervigen Frames, deshalb Buchinfo nicht verlinkbar)

    Ayatollah Khomeini rief vor 20 Jahren alle Moslems zum Mord an Salman Rushdie auf.

    Und die Bemerkung ist aktueller denn je.

    Zu Rushdie:

    Die Linke hat die Fatwa verinnerlicht (Perlentaucher)

    Das Buch zum Fluch (Freitag)

    Der Geist der Fatwa (Jungle World)

    Der Fluch des Khomeini (Jungle World)


  • My great uncle’s letters

    Dave Winer entdeckt einen alten Verwandten:

    German author Arno Schmidt was my great-uncle on my mother’s side, my maternal grandmother’s younger brother. I never met him, but when he died in 1979, my mother ended up with a collection of his writing. We want to donate these writings to a library for long-term preservation.

    I also have a taped interview with Lucy Schmidt Kiesler, my grandmother, done by a Schmidt biographer, which I’m going to digitize and then release as an MP3 podcast.

    My great uncle’s letters Scripting News

    Ich kann es kaum erwarten.


  • Reden

    Jetzt ein völlig anderes Thema:

    Arno Schmidt ist ohne Zweifel der größte Humorist deutscher Sprache.

    Einige wenige Mitglieder des Literaturkreises Hamburg haben das erkannt und wollen die feine Sprache des Meisters nicht mehr nur allein genießen.

    Deshalb treffen wir uns am 21. Oktober um 19:30 Uhr bei mir und reden über die „Gelehrtenrepublik“.

    Wir suchen noch Mitleser und Diskutanten. Wer will, melde sich hier in den Kommentaren, per E-Mail bei mir oder im Kontaktformular des Literaturkreises Hamburg.


  • Bleib erschütterbar

    Wenn es die Augen zuklappt,
    geht die Erde unter,
    sind die Sterne aus.

    (Aus: Phönix voran!)

    Peter Rühmkorf, gestorben 8. Juni 2008)


  • Mitleser gesucht

    Unser kleiner, neu gegründeter Arno-Schmidt-Lesekreis  in Hamburg sucht noch Mitglieder. Wir wollen uns alle drei bis vier Wochen treffen und über ein Werk von Arno Schmidt reden.

    Bei Interesse Mail an literaturkreis@gmail.com.

    Info über das aktuelle Buch und den nächsten Termin beim Literaturkreis Hamburg.


  • Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur: Podcast-Offensive

    Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur gehen in die Podcast-Offensive.

    Gleich acht verschiedene Programmteile bieten die beiden Sender per Podcast an. Darunter meine Favoriten: Der Büchermarkt (eine etwa 20minütige Sendung zum Thema, na was wohl?), die Beiträge der Sendung Fazit und das Politische Feuilleton.


  • Kommentarzensur, die Mittagspause und Xsadfkmslllasfsdf

    Nicolas Vogel fragt sich:

    Wer Kommentare als Funktionalität einbindet, muss alles stehen lassen oder findet sich in der Rolle des Zensors wieder. Oder ist man schon Zensor, wenn man die Funktionalität unterläuft?

    Nein, Zensur ist es nicht, weder so noch so. Schließlich kann der betroffene Kommentator jederzeit anderswo schreiben oder sein eigenes Blog aufmachen.

    Wer aber nur Lobhudeleien als Kommentare auf seiner Seite hat, macht sich schnell unglaubwürdig.

    Außerdem spielt er ein Suchmaschinenspielchen. Wer hat alles die Buchstabenfolge Xsadfkmslllasfsdf auf seine Seite geschrieben?

    Jede Seite mit Xsadfkmslllasfsdf könnte natürlich auch noch eine Buchstabenkombination veröffentlichen: Xsadfkmslllasfsdfa (ein Buchstabe mehr!), die dann zusatzlich auf Webseiten gebracht wird, die durch diese Webseite auf Xsadfkmslllasfsdf aufmerksam wurden. Und immer so weiter…

    Ja, ja, schon gut, sinnlose Mittagspausengedanken.


  • Noch mehr Bachmann-Bloggen und keine Empfehlung

    Beim Dagbok der Wortwerkstatt gibt es einen Überblick über Blogger, die etwas zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb schreiben: Paperbackfighter, Melody, das Bücherblog, ferromonte, isabo und Liisa

    Mein Beitrag über Herrn Vogel war übrigens keine Empfehlung für den Publikumspreis.

    Ich habe es ja gerade geschafft, den Text zu lesen. Die anderen habe ich noch gar nicht gelesen. Es war zu warm in der U-Bahn, da habe ich lieber Augenpflege betrieben ;-).

    Als ich den Text von Herrn Vogel das erste Mal im Acrobat Reader übeflogen habe, dachte ich, die Datei sei kaputt. Plötzlich Quellcode im Text?

    In der Liste fehlt der Beitrag von Andrea, die live vor dem Fernseher bloggt:

    Willkommen beim alljährlich vom Land Klagenfurt ausgetragenen Menschenmassenversuch, wieviel schlechte Literatur ertragbar ist, ohne schreiend aus dem Raum laufen zu müssen.

    Sehr schön böse.

    Mal sehen, ob ich mich am Samstag für einen Text entscheiden kann.


  • Bachmann-Wettbewerb mit Perl

    Heute startete der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt.

    Die ersten Texte gehen online.

    Einer der Teilnehmer studiert auch Informatik (außerdem noch Neuere deutsche Literatur und Philosophie, wow!) und arbeitet als Web-Entwickler: Nikolai Vogel.

    Das macht sich in seinen Text bemerkbar. Er las einen Auszug aus dem Roman „Plug In“:

    Die Stunden herunter, den Tag hinab. Was gibt es Neues. Nichts. Den Bildschirm füllen. #!/usr/bin/perl -w Immer wieder den Kunden am Telefon. Hoffentlich ruft er heute nicht schon wieder an. $level = 0; Sie bräuchten die Lösung schnell. Immer schnell. Immer alles sofort. Heute oder morgen. Keiner, der mal sagt, lassen Sie sich Zeit, das ist alles nicht so wichtig, ich warte gerne. Haben sie sich durchgerungen, einen Auftrag zu erteilen, Geld zu bezahlen, dann muss es schnell gehen. sub crawl($) { my $dir = shift; $dir = $dir.lookup_slash($dir); my $file; $level++; Instant Karma. Keine Lust mehr heute, die ganze Woche schon keine Lust, schon lange keine Lust mehr. chdir($dir) or (warn "Cannot chdir to '$dir': $!");

    Ein Weblog hat er auch.

    Am Samstag kann das Publikum auch einen Preis vergeben: Per Internet.


  • Frühlingsgedicht 2

    Trotz des typischen Hamburg-Wetters ein weiteres Frühlingsgedicht und zwar den Klassiker, wieder einmal aus dem „Neuen Conrady“ :

    Er ist’s

    Frühling läßt sein blaues Band
    Wieder flattern durch die Lüfte;
    Süße, wohlbekannte Düfte
    Streifen ahnungsvoll das Land.
    Veilchen träumen schon,
    Wollen balde kommen.
    – Horch, von fern ein leiser Harfenton!
    Frühling, ja du bist’s!
    Dich hab ich vernommen!

    Eduard Mörike