Nachwahlgedanken

So groß war der Sieg gar nicht, das Ergebnis ist durch das Mehrheitswahlrecht verzerrt. Obama hat 52 Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen. Ohne die Finanzkrise hätte er vielleicht nicht gewonnen.

Die Obamaverehrer in Deutschland werden sich enttäuscht abwenden. Denn bald wird Obama sich – selbstverständlich – für amerikanische Interessen einsetzen. Und das heißt, er wird mehr Einsatz der Europäer in Afghanistan und im Irak fordern. Dann wird der Antiamerikanismus zurückkommen.

Wer in den USA wählen will, hat vergleichsweise viele Hürden zu nehmen: Ein Wähler muss anstehen und sich registrieren lassen. Er muss korrekte Dokumente vorlegen, sonst gibt es keinen Eintrag in die Wahllisten. Dann wieder anstehen, ein, zwei oder noch mehr Stunden. Und dann vielleicht feststellen, dass er doch nicht in der Wählerliste steht. Noch einmal Anträge ausfüllen, um endlich wählen zu können. Wie hoch wäre wohl die Wahlbeteiligung in Deutschland unter solchen Umständen?

Und: Welchem Präsidenten sollen die Deutschen denn jetzt für alles Schlechte in der Welt verantwortlich machen?

2 Comments

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  1. Ich habe heute mit einem US-Kollegen gesprochen, dessen Frau 2 Stunden anstand. Sie ist Mutter von 3 Kindern zwischen 1 und 7 Jahren und hätte also auch „Besseres“ zu tun als zu wählen.

    (Eine andere Frage ist wieder die Organisation: Bei uns stehen die Leute höchstens mal 5 Minuten an, wenn alle Wahlkabinen voll sind…)

  2. So viel Anteilnahme an Politik widerspricht komplett dem Bild, das von den Amerikanern bei uns gerne gezeichnet wird. Kehren vor der eigenen Haustür ist angesagt.

    Ich sehe Vorbilder auf der anderen Seite des Atlantik.

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