Kategorie: Politik


  • Aus rechts wird links

    Wer in der SPD mal „rechts“ war und nicht mit der Partei in die ominöse Mitte gerückt ist, gilt heute als Linker in der SPD.

    Darum arbeitet ein Herbert Ehrenberg jetzt bei der „Arbeitsgemeinschaft der SOZIALDEMOKRATEN in der SPD“ mit. Die Arbeitsgemeinschaft will, dass sich die SPD wieder auf ihre alten Werte besinnt.

    Sogar der ehemalige Bundesarbeitsminister Herbert Ehrenberg ist bei der AG mit an Bord. An ihm lässt sich vielleicht am besten nachvollziehen, wovon die Arbeitsgemeinschaft Ausdruck ist. Ehrenberg ist nämlich keineswegs ein „klassischer“ Parteilinker – im Gegenteil: Der Lohnexperte gehörte einst zu den Mitgründern des Seeheimer Kreises und damit zum rechten Flügel der SPD. Sein Engagement bei der linken AG begründete Ehrenberg damit, dass die Partei immer weiter nach rechts gerückt, er aber bei seinen Positionen geblieben sei – weshalb er nun links im sozialdemokratischen Koordinatensystem angekommen ist. (Freitag)

    Bei der Europawahl haben aber gerade die Parteien gesiegt, die für eine noch neoliberalere Politik als die Schröder-SPD stehen.

    Das ist nur aussichtsreich, wenn viele Nichtwähler eine  nach links gewendete SPD wählen würden.


  • Eine Zensur findet statt

    Hoffentlich bleibt dieser Tag nicht einmal als der Tag in den Geschichtsbüchern stehen, an dem in Deutschland die Zensur wieder eingeführt wurde.

    Übertrieben? Vielleicht. Ich neige manchmal zum Schwarzsehen.

    Heute unterschreiben große deutsche Internetprovider „freiwillig“ einen Vertrag. Sonst zwänge sie, wie Frau von der Leyen es so schön ausdrückte, ein Gesetz dazu.

    Diese Provider werden ab jetzt auf Zuruf des BKA Internetseiten sperren. Wer auf diese Liste kommt, bestimmt das BKA. Kein Richter prüft, ob die Sperre gerechtfertigt ist. Niemand wird Gelegenheit bekommen, diese Liste zu kontrollieren. Denn sie ist geheim.

    Alles ohne Gesetz. Der Bundestag wird nicht gefragt. Das würde auch nichts ändern, aber der demokratische Schein bliebe wenigstens gewahrt.

    Wer glaubt, die Sperren schützten Kinder vor Gewalt, lese diesen Artikel in der CT: Verschleierungstaktik. Eine hervorragende Zusammenfassung der Diskussionen um die Sperrung von Internetseiten.

    Der letzte Absatz blickt in eine mögliche Zukunft:

    Längst wurden sogar Forderungen laut, nach denen auf die Liste auch gewaltverherrlichende Inhalte und Glücksspielangebote gehören. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch radikale politische Aussagen ausgeblendet werden sollen. Dann fehlt nur noch ein Gesetz, das jedes Umgehen der technischen Sperre unter Strafe stellt, und die Machthabenden hätten ein perfektes Zensurwerkzeug.


  • CDU diffamiert Zensurgegner

    Die Debatte wird langsam rauher (Golem.de): 

    Die CDU/CSU-Fraktionsvizechefin Ilse Falk hat die Gegner von Internetsperren per Access Blocking beschuldigt, Kinderpornografie zu fördern. Kritiker handelten verantwortungslos und stellten „die Interessen skrupelloser Geschäftemacher über den Schutz der Kinder“, sagte Falk wörtlich.

    Das ist die Kinderpornostrategie in Reinform. Politiker, insbesondere der CDU, wollen das Internet überwachen und zensieren.

    So einfach ist das natürlich nicht durchzusetzen. Man muss Zensur also nur umdefinieren in eine Schutzmaßnahme. Und wer will nicht Kinder schützen.

    Zensurgegner macht Falk rhetorisch kurzerhand zu Kinderschändern. Wer will sich schon so einem Vorwurf aussetzen?

    Ist die Infrastruktur dann erst einmal da, können flugs die nächsten Schritte folgen: Erst werden rechtsradikale Seiten gesperrt, denn Nazis will schließlich jeder bekämpfen. Dann könnten schon Seiten mit angeblich beleidigendem Inhalt folgen. Und Politiker können schnell beleidigt sein!

     Und schon sitzt überall die Schere im Kopf. Schon einige Tage Blockade verursachen bei einem kommerziellen Anbieter erheblichen Schaden.

    Und ob ein Blogger überhaupt die Ressourcen hätte, gegen eine Blockade vorzugehen?

    Man könnte ebenso gut fordern, jede Wohnung komplett mit Kameras zu überwachen. Und jedem Verwandten eines Kindes einen GPS-Chip einsetzen, um seine Aufenthaltsorte zu protokollieren. Schließlich findet Kindesmissbrauch sehr häufig im Verwandtenkreis statt. Das könnte Kinder auch vor Missbrauch schützen. Will das jemand?

    Einige Sozialdemokraten wollen dieses Mal nicht mitmachen (Golem.de):

    Die SPD-Bundestagsfraktion unterstütze den Kampf gegen Kinderpornografie „in jeder Hinsicht“, heißt es in der Mitteilung von Monika Griefahn, Sprecherin der Arbeitsgruppe für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, medienpolitischer Sprecher der Fraktion, und Jürgen Kucharczyk, Berichterstatter im Unterausschuss Neue Medien. Sie bezweifeln jedoch, ob Zugangserschwernisse oder Sperrverpflichtungen dafür das geeignete Mittel sind. Mehrere Gutachten seien zu dem Schluss gekommen, dass solche Maßnahmen einen schwerwiegenden Eingriff in die im Grundgesetz verankerte Kommunikationsfreiheit darstellen.


  • Rotrot oder Tod? Die Hessenwahl als Vorzeichen

    Nach dem 27. September wird die SPD vorerst nicht mehr benötigt: Die neue Superkoalition aus CDU, FDP, Nichtwählern und Leitmedien wird das „Superwahljahr“ für sich entscheiden.

    Erleben wir den gemeinsamen Untergang zweier Altparteien [SPD und Linkspartei], die sich im Todeskampf aneinander klammern, um nicht zu ertrinken?

    Rotrot oder Tod? Die Hessenwahl als Vorzeichen – CARTA


  • Familie nur für Reiche

    Von der Erhöhung des Kindergeldes haben die Armen nichts. Die Erhöhung wird prompt wieder bei Hartz IV abgezogen.

    Dabei käme jeder Euro mehr bei den unteren Einkommens­gruppen praktisch sofort beim Konsum an, der jetzt doch so wichtig sein soll. Oder glaubt jemand wirklich, die zehn Euro mehr landeten bei einem Hartz IVler auf dem Sparbuch?

    Kommentar Erhöhung Kindergeld: Die zweite Ausgrenzung – taz.de.


  • Dessel macht den Schäuble und den-Bürgerrechtler

    Die SPD hat ein großes Problem: Sie will es allen recht machen.

    Das neueste Beispiel dafür liefert Andreas Dressel, SPD-Innenexperte der Bürgerschaftsfraktion in Hamburg. Einerseits kritisiert er die Enthaltung Hamburgs im Bundesrat bei der Abstimmung über das neue BKA-Gesetz. Er macht also den Schäuble:

    Es hätte Hamburgs Verantwortung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gut zu Gesicht gestanden, diesem Kompromiss [zwischen Bundestag und Bundesrat zum BKA-Gesetz] zuzustimmen.

    Andererseits weist er auf Mängel im Hamburger Polizeirecht hin, das in einigen Bereichen in Konflikt mit Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts steht. Darauf berufe sich der grüne Justizsenator Steffen zwar immer, aber geändert habe sich am Gesetz auch nichts.

    Was mache ich bei der nächsten Wahlentscheidung aus diesen Aussagen? Bei der Kritik am Hamburger Polizeigesetz stimme ich ihm ja zu. Andererseits macht er beim BKA-Gesetz den Schäuble und sich und die SPD damit nicht wählbar.

    Ein Befürworter von mehr Überwachung wird Dressel und die SPD mit umgedrehter Begründung nicht wählen können.

    So landet die SPD dann bei 20 Prozent.


  • Langsam drehen alle durch

    Oder drehe nur ich durch?

    „Kitas wollen Fingerabdrücke der Eltern speichern“ berichtet das CTRL-Blog der TAZ.

    Nur mit dem richtigen Fingerabdruck sollen Eltern ihre Kinder dann noch aus der Kita abholen dürfen.

    Totaler Überwachungswahn? Hysterie? Sind es die Eltern oder die Kitabetreiber, die das fordern? Und warum? Verschwinden dauernd Kinder aus den Kitas?

    Ich verstehe die Welt nicht mehr!?

    Ab wann wünscht sich eine Mehrheit der Deutschen Orwells „Big Brother“ als ultimativen Aufpasser?

    (Gefunden bei Nico)


  • Nachwahlgedanken

    So groß war der Sieg gar nicht, das Ergebnis ist durch das Mehrheitswahlrecht verzerrt. Obama hat 52 Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen. Ohne die Finanzkrise hätte er vielleicht nicht gewonnen.

    Die Obamaverehrer in Deutschland werden sich enttäuscht abwenden. Denn bald wird Obama sich – selbstverständlich – für amerikanische Interessen einsetzen. Und das heißt, er wird mehr Einsatz der Europäer in Afghanistan und im Irak fordern. Dann wird der Antiamerikanismus zurückkommen.

    Wer in den USA wählen will, hat vergleichsweise viele Hürden zu nehmen: Ein Wähler muss anstehen und sich registrieren lassen. Er muss korrekte Dokumente vorlegen, sonst gibt es keinen Eintrag in die Wahllisten. Dann wieder anstehen, ein, zwei oder noch mehr Stunden. Und dann vielleicht feststellen, dass er doch nicht in der Wählerliste steht. Noch einmal Anträge ausfüllen, um endlich wählen zu können. Wie hoch wäre wohl die Wahlbeteiligung in Deutschland unter solchen Umständen?

    Und: Welchem Präsidenten sollen die Deutschen denn jetzt für alles Schlechte in der Welt verantwortlich machen?


  • Historisches Erwachen

    Mein Radiowecker schaltete sich ein und der Deutschlandfunk übertrug live die Siegesrede des neuen amerikanischen Präsidenten.

    Well done!


  • Schwarz-brauner Komplex

    Das passt zu meiner durch den RAF-Film wiederentdeckten Abneigung gegen Deutschland:

    In der Monatszeitung für Russlanddeutsche [gemeint ist das „Ost-West-Panorama“] schreiben der NPD-Vorsitzende Udo Voigt, NPD-Generalsekretär Peter Marx – und zahlreiche Christdemokraten und Christsoziale.

    (Rechte ködern Russlanddeutsche, Frankfurter Rundschau vom 14. Oktober 2008)

    Da ist sie immer noch, diese schwarz-braune Soße.

    Das sind dieselben Leute, die – wieder zusammen mit der Springerpresse – gegen Andrea Ypsilanti agitieren, weil sie sich von der Linkspartei tolerieren lassen will.

    Wer hat eigentlich etwas aus dem Terror gelernt?