Autor: Andreas Rohlfs


  • Ein zukünftiger Niedersachse muss meine Heimat kennen

    Wow! Wer demnächst die deutsch-niedersächsische Staatsbürgerschaft erwerben will, muss meinen kleinen Heimatlandkreis kennen oder nach Ausschlussverfahren arbeiten.

    Ausriss aus dem Einbürgerungstest, Teil Niedersachsen

    Die Frage kommt aus dem niedersächsischen Ergänzungsbogen zum neuen Einwanderungstest.

    Muss man kennen, schließlich ist das Ammerland Sitz einer der führenden Baumschulen Europas. Ich dürfte dort auch schon Unkraut im sommerlich warmen Gewächshaus zupfen und einen furchtbaren 50. Geburtstag feiern. Der Tag danach fehlt mir heute noch im Gedächtnis.


  • Bleib erschütterbar

    Wenn es die Augen zuklappt,
    geht die Erde unter,
    sind die Sterne aus.

    (Aus: Phönix voran!)

    Peter Rühmkorf, gestorben 8. Juni 2008)


  • Katerstimmung

    Gestern noch auf einen deutschen Obama gehofft.

    Heute der ernüchterne Gedanke: Er könnte auch aus der braunen Ecke kommen?


  • Wo ist der deutsche Obama?

    Gerade strahlte Phoenix ein Filmportrait über Barack Obama aus. Welch ein Unterschied in der Politik!

    Obama, aber nicht nur er, bringt Zehntausende zu seinen Wahlversammlungen, die sich für ihren Kandidaten begeistern: Graswurzelbewegungen im Internet, Initiativen vor Ort, bereitwillige Spender.

    Schon der amerikanische Vorwahlkampf ist ein Schaulaufen für die Demokratie.

    Und in Deutschland? Nur Politikfrust, den Parteien laufen die Wähler davon und die Wahlbeteiligung sinkt ständig.

    Die SPD braucht einen Barack Obama und eine Hillary Clinton. Und wir brauchen einen internen Vorwahlkampf, auch wenn wir in Hamburg schlechte Erfahrungen gemacht haben.

    Leider ist kein sozialdemokratischer Obama in Sicht. Mit Frank-Walter Steinmaier oder Peer Steinbrück höchstens einen John McCain. Und so wie McCain mit der Regierung Bush belastet ist, sind die beiden zu sehr mit der Regierung Schröder belastet.

    Gesine Schwan könnte die sozialdemokratische Hillary Clinton sein. Aber wo ist der junge Kandidat (oder auch Kandidatin), der den „Wechsel“ verkörpern kann? Auch die Linkspartei hat so jemanden nicht. Was immer auch an den Stasivorwürfen dran ist, Gysi ist zu belastet.

    Und Lafontaine treibt nur selbstzufrieden die anderen Parteien vor sich her, verkörpert aber auch kein attraktives Gegenprogramm.

    Vielleicht fällt in der SPD ja noch jemand auf. Vielleicht jemand, der keine Erinnerungen an Schröder weckt? Die SPD hat bei Umfrageerebnissen von ungefähr Prozent nichts zu verlieren, warum sollte sie nicht einfach einen ganz neuen Kandidaten bringen? Andrea Nahles? Andrea Ypsilanti? Warum nicht?


  • Welche Helfer fallen ist egal

    Manchmal sind es eher die Randereignisse, die mir klarmachen, dass ich immer noch in der richtigen Partei bin.

    Franz Müntefering zum Buch „Helfer fallen nicht vom Himmel“, in dem auf die eine oder andere Weise gesagt wird, Helfen allein reiche nicht, erst die richtige spirituelle Motivation mache eine runde Sache daraus:

    Aber den Hungrigen ist es egal, muss es egal sein, ob sie eine wertrationale oder eine zweckrationale Schüssel Reis bekommen. Ein Medikament von einem Katholiken oder von einem Agnostiker. Oder ein tröstliches Gespräch. Da schwingt mir zu sehr der Gerechte mit, der richtig helfen will und wo der Arme schnell zum Mittel zum Zweck wird. Ein hartes Wort, ich weiß.

    Es gibt eben kein richtiges und falsches Helfen. Entscheiden ist, um einmal Altkanzler Kohl zu zitieren, was hinten rauskommt.

    Herausgeber des Buches ist Paul Josef Kardinal Cordes. Verspürt die katholische Kirche zu viel Rückenwind in letzter Zeit, wenn sie jetzt die Motive nichtreligiöser Helfer als minderwertig denunziert?

    (Quelle ist ein Artikel von Christian Geyer in der FAZ vom 2.6.2008. Ich würde auch einen Link setzen, wenn der Text der frei verfügbar wäre.)

    Videos bei Youtube: Teil1, Teil2


  • The Times They Are A-Changin‘

    Jetzt werde ich schon zu Tupperpartys eingeladen.


  • Zertifizierungszirkus hat begonnen

    Heute hat der Zertifizierungszirkus endgültig begonnen. Erste Nummer: Microsofts 70-291 bestanden.

    Ende des Jahres dann hoffentlich mit dem Update für Windows Server 2008 durch. Und dann endlich die Linuxzertifizierung angehen.


  • Vier Wochen

    Wegen einer Wette vier Wochen lang keinen Kaffee mehr getrunken.

    Nach den ersten vier Tassen kann ich sagen: Die Brühe schmeckt sehr, äh, widerlich.

    Also in Zukunft gar keinen Kaffee mehr?

    Und was als Nächstes? Vier Wochen keine Schokolade? Kein Fernsehen? Gar, oh je, vier Wochen kein Internet? (Vier Wochen keinen Blogeintrag habe ich wohl geschafft, aber das ist ein anderes Thema.)


  • Wird private Verschlüsselung verboten

    Vor zweieinhalb Jahren warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor Sicherheitsrisiken bei der Benutzung von Blackberrys. Ich verlinkte einen entsprechenden Artikel bei Heise. Ein Kommentator wies darauf hin, wie gut doch die Verschlüsselung sei und dass es deshalb kein Sicherheitsproblem gäbe.

    Indien macht jetzt vor, wie ein neugieriger Staat das Problem zu guter Verschlüsselung löst: Entweder Research in Motion (die Firma hinter dem Blackberry) rückt einen Generalschlüssel heraus oder der indische Markt bleibt eben zu. Die E-Mails sollen außerdem sechs Monate komplett von den Betreibern in Indien gespeichert werden. Da kann Schäuble noch was lernen. Der lässt immerhin nur die Verbindungsdaten und nicht die Inhalte speichern.

    Das ist ein grundsätzliches Dilemma, das mich eher düster in die Zukunft blicken lässt: Am Ende sitzen die Behörden immer am längeren Hebel. Bei zu großer Verbreitung von Verschlüsselungstechnologien verbietet der Staat sie eben einfach.


  • Zweifel

    Heute vor drei Jahren starb Papst Johannes Paul II.

    Erstaunlich, dass ich hier darüber schreibe. Vor fünf Jahren bin ich aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Ich hatte einige Jahre brav Kirchensteuer gezahlt, wenn auch ohne Überzeugung. Hundertprozentiger Atheist war ich noch nicht geworden, trotzdem sollte endlich eine Entscheidung her, ein für alle Mal: gläubig oder nicht?

    Ich trat aus, auch wegen des Geldes. Noch auf der Behörde war ich unsicher, aber ich hatte mich nun schon einmal auf den Weg gemacht, nun brachte ich es auch zu Ende.

    Und es passierte ja auch nichts, wirklich nichts. Die Kirche hätte ja wenigstens noch einen Brief schreiben können, in dem sie ihr Bedauern ausdrückt?

    Ich war trotzdem erleichtert und wollte mich von nun an nicht mehr um das Thema kümmern.

    Pustekuchen. Spätestens seit dem Tod Johannes Pauls II. ist das Thema wieder da. Und auch der Wahl Benedicts. Als feststand, dass ein neuer Papst gewählt war, stieg ich gerade aus der U-Bahn-Station herauf und auf dem Weg nach Hause läuteten die Glocken der kleinen katholischen Kirche in der Straße hinter unserem Haus. Und ich ging schneller als sonst nach Hause und schaltete den Fernseher ein.

    Eingetreten bin ich immer noch nicht wieder – weder in meine alte Kirche, noch in die katholische. Als gläubig würde ich mich auch immer noch nicht bezeichnen. Aber ich zweifle wieder an meinem Atheismus und verfolge aufmerksam, was in der Kirche passiert.

    Manches erstaunt mich. Der katholische Religionslehrer, für den alles nur symbolisch ist. Ein Schützenverein hat auch Symbole, beansprucht aber keinen Sitz in den Ethikkommissionen dieser Republik.

    Der, ja, ich muss es so nennen, Hass, den einige in meinem Freundeskreis auf die katholische Kirche haben, erschreckt mich. Ein Eintritt in die Kirche, zumal die katholische, wäre ein soziales Experiment.

    Glaubte ich an Zeichen, hätte der Rosenkranz, den ich beim letzten Gräueljulklapp „gewonnen“ habe, mich sicher schon längst in die Kirche gebracht.

    Die Frage ist wieder offen und eine Entscheidung muss langsam fallen. Ich will sie nicht erst in der sprichwörtlichen letzten Sekunde fällen. Keine Ahnung, was das jetzt genau heißt.