Datum: 11. Januar 2010

Winter, Hartz IV, Papst, Schmidt

Vogelhaus im Garten meiner Eltern

Vogelhaus im Garten meiner Eltern

Ja, es gibt ihn noch, den Winter. Anderswo sorgt er für Überstunden, bei meinen Eltern nur für dicken Zucker im Garten. Wir sind am Sonntag gut zurückgekommen, auch weil der Lokführer heroisch auf freier Strecke das Dach seiner Lok erklommen und den defekten Stromabnehmer ausgetauscht hat. Das war es dann auch schon mit der befürchteten Katastrophe. Naja, für uns, die wir in Hamburg aussteigen konnten. Für die anderen fuhren ein paar Züge nicht.

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Die Zeitung mir den vier großen Buchstaben titelt heute: „Hartz IV – so holen Sie das meiste Geld raus!“

Dann noch Hartz IV: Von der Leyen stellt Reformen in Aussicht.

Viagra-Kalle und Florida-Rolf sind vergessen?

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Sagt Joseph Kardinal Ratzinger [Papst Benedikt XVI.] hier wirklich, dass alle Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod nur ein Ersatz für den nicht kurzfristig zurückgekehrten Christus ist?

Die christliche Theologie, die alsbald vor dieser Diskrepanz von Erwartung und Erfüllung stand, hat aus dem Reich Gottes im Laufe der Zeit ein Himmelreich gemacht, das im Jenseits ist; aus dem Heil der Menschen wurde das Seelenheil, das sich wiederum im Jenseits, nach dem Tode, zuträgt

(via Evangelium Tag für Tag)

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Arno Schmidts „Steinernes Herz“ beendet. Sage noch einer, das Schicksal der Vertriebenen, besonders das der Frauen, sei in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik nicht vorgekommen. Aber Schmidt passte halt nicht in das Klima der Restauration. Etwas arg plumper Atheismus.

Klimawandelatheismus

Bei aller Abneigung gegen die Klimawandelhysterie und ihre religionsartigen Auswüchse: Bloß weil es jetzt einmal ein bisschen schneit, ist die Erwärmung nicht abgesagt. Ein kalter Winter (haben wir überhaupt einen besonders kalten Winter?) macht genauso wenig eine Abkühlung wie ein heißer Sommer eine Erwärmung. Ein wenig Ahnung von der Physik komplexer Systeme (vulgo: Chaostheorie) würde schon helfen, liebe „Klimaskeptiker“ von der Achse des Guten. Man bleibt glaubwürdig, wenn man sich nicht auf Stammtischniveau begibt und Anklickmeinungsumfragen im Netz als Maßstab zur Ermittlung der Wahrheit nimmt.

Dieser ganze Klimawandelatheismus macht die ansonsten erfrischend proamerikanische, proisraelische und liberale Achse des Guten reichlich unglaubwürdig.