Monat: Juli 2005

Kommentarzensur, die Mittagspause und Xsadfkmslllasfsdf

Nicolas Vogel fragt sich:

Wer Kommentare als Funktionalität einbindet, muss alles stehen lassen oder findet sich in der Rolle des Zensors wieder. Oder ist man schon Zensor, wenn man die Funktionalität unterläuft?

Nein, Zensur ist es nicht, weder so noch so. Schließlich kann der betroffene Kommentator jederzeit anderswo schreiben oder sein eigenes Blog aufmachen.

Wer aber nur Lobhudeleien als Kommentare auf seiner Seite hat, macht sich schnell unglaubwürdig.

Außerdem spielt er ein Suchmaschinenspielchen. Wer hat alles die Buchstabenfolge Xsadfkmslllasfsdf auf seine Seite geschrieben?

Jede Seite mit Xsadfkmslllasfsdf könnte natürlich auch noch eine Buchstabenkombination veröffentlichen: Xsadfkmslllasfsdfa (ein Buchstabe mehr!), die dann zusatzlich auf Webseiten gebracht wird, die durch diese Webseite auf Xsadfkmslllasfsdf aufmerksam wurden. Und immer so weiter…

Ja, ja, schon gut, sinnlose Mittagspausengedanken.

Darum CT und nicht Chip lesen

Das Computermagazin Chip hat alle Links auf den russischen Musik-Download-Shop allofmp3.com entfernt. Das berichtet der Spiegel.

Der Heise-Verlag hat die Links auf Heise.de nicht entfernt:

Links gehörten in die Online-Berichterstattung wie die Seitenzahlen in eine Zeitschrift, sagte „c’t“-Redakteur Holger Bleich. Man wolle den Lesern nicht in vorauseilendem Gehorsam Informationen vorenthalten, nur weil sie den kommerziellen Interessen einer Gruppe von Unternehmen entgegenstünden.

Die deutsche Musikindustrie will verhindern, dass Links auf allofmp3 gesetzt werden, weil auch deutsche Kunden dort einkaufen können. Allofmp3.com hat jedoch keine Lizenzen, um Musik nach Deutschland zu verkaufen. Außerdem dürfte die Musikindustire nicht darüber erfreut sein, dass die Dateien nicht durch DRM „geschützt“ sind.

Seiten mit Links auf allofmp3.com und positiven Testberichten werden jetzt abgemahnt.

Einfache Frage

Warum gibt es keine Fatwa gegen Osama bin Laden? Wenn es eine gegen Salman Rushdie gibt?

Gefragt in einem Interview der Kulturzeit mit Reza Hajatpour.

Er war einst Mullah im Iran und hat sich dann vom Islamismus abgekehrt.

Buchtipp: Der brennende Geschmack der Freiheit

Ergänzung (24.7.2005): Inzwischen hat der Rat der Sunniten in Großbritannien eine Fatwa erlassen.

Nach dem Terror in London: Noch mehr Einschränkungen von Bürgerrechten

Heiko fragt zurecht, was denn nun die schärferen Sicherheitsgesetze, die nach dem 11. September verabschiedet wurden, gebracht haben?

Mehr Überwachung der Bürger hat diesen Anschlag nicht verhindert. Und wird auch zukünftige Anschläge nicht verhindern.

Im anlaufenden Bundestagswahlkampf wird diese Einsicht wohl keine Rolle spielen. Politiker aller Parteien außer der Grünen werden sich überschlagen dabei, noch schärfere Sicherheitsgesetze zu fordern.

Alles was dadurch erreicht wird: Wir gäben die Freiheit auf, die uns anderen Gesellschaftsordnungen überlegen macht. Und bekämen nichts dafür.

Die Anschläge könnten CDU und SPD nützen. Wenn das Sicherheitsbedürfnis wächst, wenden sich die Wähler eher wieder den großen Parteien zu. Zum Thema Innen- und Sicherheitspolitk hat sich die Linkspartei jedenfalls noch nicht geäußert.

Die Familienförderung der CDU

Familienpolitik ist ein Lieblingsthema der CDU. Einer konservativen Partei bedeuten Familien immer sehr viel. Auf dem Papier.

Nun hat sich die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger (CDU) etwas ausgedacht, um den Zusammenhalt in den Familien zu fördern:

Laut Netzeitung sollen zuerst die Kinder oder Eltern den Arbeitslosen unterstützen, bevor er Anspruch auf Arbeitslosengeld II hat. Erst wenn die nicht zahlen können, soll das ALG II gezahlt werden.

Das soll wohl als Ausgleich gemeint sein. Denn die Wirtschaftspolitik der CDU fordert den zeitlich und örtlich völlig flexiblen Arbeitnehmer. Dabei gehen Familienbindungen natürlich kaputt.

Als Ausgleich wird dann diese Gemeinschaft über Zwang wiederhergestellt?

Eine der größten Errungenschaften des Sozialstaates ist, dass jeder das gleiche Recht auf Hilfe hat. Und diese Hilfe kommt von einer unabhängigen und anonymen Institution. Ich muss nicht die Nachbarn oder meine Familie anbetteln, wenn ich in wirtschaftlicher Not bin.

Diesen gesellschaftlichen Fortschritt möchte die CDU offensichtlich abschaffen.

Glos (CSU) macht den Lafontaine

Im Radio läuft die Debatte des Bundestages über die Vertrauensfrage des Kanzlers.

Glos spricht und rechnet mit Schröder ab. Er wirft Schröder vor, nichts zu den Fehlern gesagt zu haben. Und was ist ein großer Fehler in den Augen des Herrn Glos? Das Einwanderungsgesetz, das für „massenweise“ Einwanderung gesorgt habe.

Da fischt einer am rechten Rand, noch schlimmer als Lafontaine. Der Wahlkampf kann fürchterlich werden.