Jahr: 2005 (Seite 1 von 6)

Jahreswechsel

Verlust

Hanns Dieter Hüsch

Jetzt wird er wohl öfter bei Gott sitzen und eine Tasse Kaffee mit ihm trinken. Oder Gottes Schwester in der Wäscherei in Dinslaken helfen.

Seine Stimme aus dem Radio werde ich nicht vergessen. Es gibt noch ein paar CDs von ihm, mit Büchern sieht es schon schlechter aus, sie sind meist nur noch gebraucht lieferbar. Ein weiteres Mal denke ich, Verleger sollten verpflichtet sein, nicht mehr lieferbare Bücher wenigstens elektronisch lieferbar zu halten.

Heute Abend (31.12..2005) gibt es es Sendung über ihn bei Phoenix (und noch viel mehr Kabarett den ganzen Tag)

Mehr online:

Gott ist aus der Kirche ausgetreten

Eine Predigt

Ein Interview

Deutsches Küchenlied

Eine Seite mit vielen Informationen.

Flop

Coelho, Der Zahir.

Mein Literaturkreis wollte es unbedingt lesen. Ein Coelho reicht für alle Zeiten. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Gut

Tango mit X.

Aussicht

Auf zu neuen Ufern. Mein bisheriger Arbeitgeber verlässt Hamburg und entlässt drei Viertel seiner Mitarbeiter. Freundlicherweise kündigten sie noch in diesem Jahr, steuerlich günstig, denn ab 2006 gibt es keinen Steuerfreibetrag auf Abfindungen mehr.

2006 auf jeden Fall ein neuer Arbeitgeber oder Freiberuflichkeit. Drei Monate noch, um mich zu entscheiden.

Liebe Julia,

du hast in meinem Weblog einen Kommentar geschrieben. Es geht um das Thema Kopftuchverbot an Schulen.

Du hast dazu zwei Dinge gesagt: Dass es wichtiger sei, sich um die wirklich großen Probleme zu kümmern, z. B. den Kampf gegen Hunger und Armut. Und dass es gut sein, dass Kinder möglichst viele Kulturen kennen lernen. Deshalb, sagst du, bist du gegen ein Kopftuchverbot.

Das sind zwei verschiedene Dinge, aber ich glaube, sie haben etwas miteinander zu tun.

Jeder sollte so leben, wie er will. Das Grundgesetz garantiert uns Freiheiten, z. B. die Religionsfreiheit. Eine Frau, die ein Kopftuch tragen will, soll es tun: In der Wohnung, auf der Straße, wo auch immer. Nur in der Schule nicht, denn dort steht sie nicht für sich allein, sondern für den Staat und die ganze Gesellschaft.

Tragen denn die meisten Frauen die Kopftücher freiwillig? Ich glaube nicht. In Hamburg sehe ich viele Frauen mit Kopftuch. Viele von ihnen tragen auch im Hochsommer einen Mantel. Freiwillig?

Auch du hast in der letzten Zeit vielleicht den einen oder anderen Bericht über Zwangsehen und Ehrenmorde in Deutschland gelesen oder gesehen. Nicht alle Frauen in Deutschland können die Rechte nutzen, die im Grundgesetz stehen. Welches Recht im Grundgesetz ist wichtiger: Die Religionsfreiheit (der Vater besteht aus religiösen Gründen darauf, den Ehemann für seine Tochter auszusuchen) oder das Recht seiner Tochter, ihr Leben so zu leben, wie sie will? Du kannst entscheiden, in welchen Beruf du arbeiten möchtest und ob du heiraten willst und wenn ja, wen. Alle Mädchen können das nicht.

Denken wir uns ein Mädchen. Es ist intelligent und gut in der Schule. Es möchte einmal Medizin studieren. Aber sie weiß auch, weiterlesen →

Kusch lässt nicht locker

Hamburgs Justizsenator Roger Kusch (CDU) hat offenbar ein neues Lieblingsthema: Sterbehilfe.

Das Hamburger Abendblatt berichtet über einen erneuten Vorstoß Kuschs, aktive Sterbehilfe in Deutschland zu legalisieren.

Mit einem früheren Vorschlag war er auf breite Ablehnung gestoßen. Er hatte sich dafür ausgesprochen, unter bestimmten Umständen aktive Sterbehilfe zu erlauben. Eine Arbeitsgruppe der Justizministerkonferenz sollte die strafrechtliche Praxis bei Fällen von Tötung auf Verlangen auswerten.

Nun klingt das etwas abgeschwächt:

Laut dem neuen Antrag Kuschs soll die Arbeitsgruppe neben der Rechtslage eine „wertende Zusammenfassung der wichtigsten aktuellen Vorschläge zur Sicherung der Patientenautonomie und der Erhöhung der Rechtssicherheit bei der medizinischen Betreuung am Ende des Lebens“ vornehmen.

Jetzt wissen wir auch, wie das Gesetz zur Legalisierung der Sterbehilfe vielleicht einst heißen wird: „Gesetz zur Sicherung der Patientenautonomie und der Erhöhung der Rechtssicherheit bei der medizinischen Betreuung am Ende des Lebens“.

Was für ein schöner Neusprech: Alte und Kranke zum Selbstmord drängen heißt jetzt Patientenautonomie.

Sterbehilfe nach falscher Diagnose

Warum kommt die Debatte um die Sterbehilfe eigentlich ausgerechnet in dem Moment hoch, in dem von allen Seiten beklagt wird, dass unsere Sozial- und Gesundheitssysteme unbezahlbar geworden seien? Neoliberalismus zu Ende gedacht? Wenn sich alles dem Denken in betriebswirtschaftlichen Kategorien zu unterwerfen hat, kommt so etwas dabei heraus:

Die FAZ berichtet über einen Fall, im dem der Schweizer Sterbehilfeverein Dignitas nach einer Fehldiagnose einer Frau beim Selbstmord half.

Der Schweizer Sterbehilfe-Verein „Dignitas“, der unheilbar Kranken beim Suizid hilft und vor kurzem auch in Deutschland eine Filiale eröffnete, ist wieder einmal in die Kritik geraten. Ursache dafür ist der Freitod einer 69 Jahre alten Frau aus Bayern, der in Zürich – wie in den Jahren zuvor schon etwa 250 Deutschen – vom Verein das tödliche Gift beschafft wurde. Die Staatsanwaltschaft in Augsburg hat Hinweise, daß dies aufgrund einer falschen Diagnose geschah. Sie ermittelt daher gegen zwei Mediziner in Augsburg und Zürich, denen unrichtige Atteste und fahrlässige Tötung vorgeworfen wird.

(Link von Credo ut intelligam)

Die Medien einschüchtern

Auch passend zur Feststellung, dass der Neoliberalismus am Ende ist:

Die Medien einschüchtern – ein Artikel im Freitag über die Versuche der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, Journalisten einzuschüchtern und in Verruf zu bringen, die kritisch über diese Initiative der Metall-Arbeitgeber berichten.

Wegen seines Beitrags beim Magazin PlusMinus versuchte die Initiative, den SWR-Redakteur Dietrich Krauß zu diffamieren, indem sie ihm unterstellte, mit der globalisierungskritischen Organisation Attac zu sympathisieren. Auf Nachfrage bestreitet die Initiative dies mittlerweile allerdings. Ein aufgebrachter Oswald Metzger, ohne Amt bei den Grünen und Botschafter der INSM, fragte den Journalisten am Ende seines Interviews allerdings noch gereizt: „Sind Sie von Attac bezahlt?“ Dietrich Krauß lassen die Anspielungen kalt. Für ihn ist der Rufschädigungsversuch nichts anderes als ein rhetorischer Kniff, um keine Stellung beziehen zu müssen. „Kritische Fragen haben kein Parteibuch, sondern sind einfach Fragen“, sagt der Redakteur.

Neoliberalismus am Ende

Lutz Büge im Weblog der Frankfurter Rundschau:

Hat jemand was gemerkt? Die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen zwischen Schwarz und Rot liegen auf dem Tisch, und in Foren und Blogs wird lustvoll gestritten, was die Erhöhung der Mehrwertsteuer oder die Aushöhlung des Kündigungsschutzes bringen wird. Doch etwas Grundsätzliches wird dabei übersehen: Dieser Koalitionsvertrag hat so gut wie nichts Neoliberales an sich. Von Paul Kirchhof ist bei der Union nichts geblieben. Im Gegenteil: Die künftige Kanzlerin Angela Merkel wird Steuern erhöhen und – man höre und staune – ein verkapptes Konjunkturprogramm auflegen!

Und das war ja auch das Ergebnis der Wahl. Herr Merz und die Unternehmensverbände sollten sich das hinter die Ohren schreiben: Ihr habt keine Mehrheit für eure Politik!

Siehe auch: Die CDU hat verloren

Leitkulturdebatte: Interview der Woche mit Norbert Lammert

Es kommt nicht oft vor, dass ein CDU-Politiker mich beeindruckt, ja fast schon überzeugt. Der neue Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach heute im Interview der Woche im Deutschlandfunk auch über das Thema Leitkultur:

[Hinweis: Zuvor ging es im Interview um zu viel Aufwand bei Treffen von Politikern]

Lammert: Gut, aber was die Grundsatzfrage angeht, bin ich völlig Ihrer Meinung. Jawohl, die Politiker, die Parteien, müssen in Zeiten wie diesen mit besonders gutem Beispiel vorangehen. Sie müssen überall da, wo der Eindruck entstehen könnte, hier wird ohne Not unnötiger Aufwand betrieben, genau solchen Aufwand vermeiden.

Spengler: Ist es auch das, was Sie mit dem provozierenden Begriff ‚Leitkultur‘ meinen?

Lammert: Ja, der Anspruch, der sich mit diesem Begriff verbindet, geht natürlich über das Thema weit hinaus, das wir jetzt gerade angesprochen haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Gesellschaft, wie andere Gesellschaften auch, ein Mindestmaß an gemeinsam getragenen Überzeugungen braucht, ohne die sich auch die konkreten Probleme, mit denen wir – wie übrigens andere Gesellschaften auch – konfrontiert sind, gar nicht lösen lassen. Gerade in einer Zeit, in der es ja auch für die absehbare Zukunft nicht darum geht, dass wir Wohlstandszuwächse verteilen könnten, sondern wo wir unter ganz schwierigen internationalen Wettbewerbsbedingungen eine eher stagnierende als prosperierende Wirtschaft mit den bescheidenen, sich daraus ergebenden Ergebnissen neu sortieren müssen, braucht eine Gesellschaft um so mehr eine Verständigung darüber, woran sie sich eigentlich gemeinsam festhalten. weiterlesen →

Aus der Geschichte nichts gelernt

Wiederholt Europa einen alten Fehler?

Der iranische Präsident Ahmadinedschad fordert in einer Rede vor Studenten (Frankfurter Rundschau, Jerusalem Post) die „Tilgung Israels von der Landkarte“:

Es gibt keinen Zweifel: Die neue (Anschlags-)Welle in Palästina wird das Stigma im Antlitz der islamischen Welt ausradieren … Jeder, der Israel anerkennt, wird im Zornesfeuer der islamischen Nation verbrennen.

Und in Europa regt sich nur lauer Protest. Zwar kritisiert die Bundesregierung die Rede als „völlig unakzeptabel“, wiegt dann aber laut Frankfurter Rundschau ab:

Die Rede sei allerdings wohl nicht als gezieltes Eskalationssignal nach außen zu verstehen, hieß es in ersten internen Einschätzungen. Ahmadinedschad sei vielmehr offenbar bemüht, sich seiner radikalen Gefolgschaft zu empfehlen. Wieweit sich die aggressive Tonlage über den Anlass hinaus zur ständigen Rhetorik verfestige, lasse sich noch nicht abschätzen.

Dabei hatte die Konferenz, auf der Irans Präsident diese Rede hielt, nur ein Thema: „Die Welt ohne Zionismus“.

Leon de Winter erinnert an die Reaktion Europas auf den deutschen Faschismus:

German fascism should be dealt with through negotiations, they declared. I recently read a piece about how Churchill was reviled by the young pacifist intellectuals at Oxford in the Thirties. He was a warmonger, he was looking for a repetition of the atrocities of WW1. They despised him.

Er wirft Europa vor, auch jetzt wieder die Augen zu verschließen.

Der TAZ hat zu dieser Geschichte nur eine Agenturmeldung abgedruckt. Wie groß wäre die Meldung wohl, wenn Israel und/oder die USA die Atomanlagen Irans bombardierten?

Der Islamismus ist der Faschismus des 21. Jahrhunderts. Wie die Faschisten wollen die Islamisten alles und jeden vernichten, der nicht so leben will, wie es sich islamistische Führer vorstellen.

Über die Atomwaffenträume Irans berichtet Bruno Schirra in Cicero.

Andere erwarten – wohl eher ironisch gemeint – einen großen Sturm der Entrüstung.

Ergänzung: Eine Übersicht über die Reaktionen bietet ein Artikel bei Spiegel-Online.

Breezy Badger (Ubuntu 5.10) ist da

Die neue Version von Ubuntu – Breezy Badger – ist da.

Eine deutschsprachige Übersicht über die Neuerungen gibt es bei ubuntuusers.de.

Ich habe mir schon den Release Candidate installiert.

Für mich das Wichtigste: Gnome 2.12 hat (rein subjektiv, ich habe keine Messungen gemacht) enorm an Tempo zugelegt.

Noch bei Gnome 2.10 hatte ich immer das Gefühl, mein Rechner würde ausgebremst. Immer musste ich einen Augenblick zu lange warten, bis das gewählte Menu erschien oder ein Dialogfeld sich öffnete. KDE und Windows XP liefen sehr viel flotter.

Gnome 2.12 ist jetzt ebenso schnell.

Ach ja, der Rechner: Athlon XP 2400. 1 GB RAM. Daher sollte also das lahme Gefühl bei Gnome 2.10 nicht kommen.

Download, bitte möglichst mit Bittorrent.

Oh Gott, Google!

Googles Suchergebnisse waren auch schon mal besser.

Bei der Suche nach „katholische Kirche Hamburg“ gibt Google als ersten Treffer die evangelisch-lutherische Kirche aus, dann die ukrainisch-katholische Kirche.

Dann folgen Links auf katholische-kirche-hamburg.icie.sk, katholische-kirche-hamburg.hau.be und katholische-kirche-hamburg.interfriend.sk. Bei den Links landet man bei Seiten zum Thema „Adult Friend Finder Sex-Kontaktanzeigen“.

Wenn die Suchmaschinenspammer so weitermachen, finden wir bald nichts mehr in Netz.

Yahoo kann es übrigens besser. Die Seiten des Erzbistums Hamburg kommen an erster Stelle.

Ergänzung, 14. Oktober: Mittlerweile ist das Erzbistum Hamburg auch bei Google an erster Stelle. Vielleicht sollten alle Blogger unzureichende Suchergebnisse mit einer „richtigen“ Verlinkung korrigieren.