Artikel zum Thema ‘Lesen’

Ach, Freitag…

Donnerstag, 25. Februar 2010

Ich bin Abonnent des Freitag seit es ihn gibt und noch länger, ich habe schon den west­deutschen Vor­gänger, die Volks­zeitung, gelesen.

Für seine Literatur­kritik hatte der alte Freitag trotz seiner geringen Verbreitung vor einigen Jahren noch einen Preis bekommen. Nun feuert der Freitag seinen lang­jährigen Literatur- und Feuilleton­redakteur Ingo Arend.

Jakob Augstein, Besitzer des Freitag, will die Literatur­kritik im Freitag kürzen und dafür das Ressort Wissen weiter ausbauen. Klar, damit beschäftigt sich ja sonst auch niemand.

Ich lese seit der Umgestaltung unter Augstein nicht mehr viel vom Freitag.

Kein Wunder, dass ich von dieser Neuigkeit nicht aus dem Freitag (der Papier­ausgabe) oder auf Freitag.de (dem Internet­auftritt), sondern auf Schnee­schmelze, dem Blog von Jürgen Fenn, erfahren habe.

Und dann schreibt Michael Angele ausgerechnet heute im Freitag über „Die Leiden des Zeitungs­süchtigen“. Ich hatte zwischendurch zwei Tages- und Wochenzeitungen im Abo, oft genug habe ich noch andere hinzu­gekauft. Ich bin also wohl so ein Zeitungs­süchtiger.

In Zeitungen will ich Text, Text, Text, gern als Blei­wüste beschimpft. Fotos sind – die Foto­grafen mögen mir verzeihen – immer nur Beiwerk.

Ich lese halbwegs bewusst seit einem Viertel­jahrhundert Zeitungen. Die Blei­wüsten sind nach und nach verschwunden. Die Zeitungen sind heute „luftiger“ mit viel Weiß auf den Seiten und großen Fotos. Schriften und der Zeilen­abstand sind größer geworden. Es steht weniger Text auf der Seite. Mehr Seiten sind es selten geworden. Wenn ein Becher Joghurt bei gleicher Becher­größe mehr Luft und weniger Joghurt enthält, nennt man das eine Mogel­packung. Und der Freitag wird immer mehr dazu: Schnell durchgeblättert, wenige Artikel, die ich wirklich lesen will, viel Luft – und damit meine ich nicht nur Weißraum.

Ich glaube nicht, dass der Freitag die nächsten fünf Jahre überleben wird. Schade, denn dann bleibt nur noch die Zeit. Und mit der konnte ich noch nie etwas anfangen.

Bibel der Atheisten

Mittwoch, 06. Januar 2010

Weiter im „Steinernen Herzen“. H. sagte gestern Abend, das „Steinerne Herz“ sei so etwas wie die Bibel der Atheisten. Und meinte das – wie so manches – wohl nicht so ganz ernst. Er könnte aber recht haben, denn so lässt Schmidt sein Alter Ego Walter Eggers sprechen:

»Erlauben Sie mir, ein System abzulehnen, das unter anderen fundamentalen Institutionen auch ein Super-KZ vorsieht !« (Der ihre ‹Ewige Hölle› ! : welches Verbrechen, das Menschen überhaupt begehen können, wäre so groß, daß es ‹ewig› bestraft werden müßte ? ! Wenn überhaupt Einer rein gehört, ist es Gott : wegen seiner feinen Schöpfung !)

»Gott verflucht Adam : Warum ? : Weil er Obst gegessen hat ! ! : das muß sich einer mal vorstellen !«. Ich bummelte entrüstet hinter moi her, und raus ausm Schloß : iss ja unsagbar traurig !

Oft genug scheint mir Schmidt aber doch an einen Gott zu glauben, wenn auch an keinen guten. Man lese „Leviathan“.

An die Kopierer, fertig, los!

Montag, 04. Januar 2010

Telepolis listet Werke auf, die seit dem 1.1.2010 gemeinfrei sind. Darunter sind die Werke von Sigmund Freud und Joseph Roth. Kein solcher Artikel ohne Hinweis auf die geplante Erweiterung von Leistungsschutzrechten:

Im Gegensatz zur Literatur bestehen für Musikaufnahmen nämlich auch Monopolrechte von Musikern und Plattenfirmen, die derzeit nach 50 Jahren ablaufen. Praktisch bedeutsam sind vor allem die Rechte der Plattenfirmen, die den meisten Musikern standardmäßig Nutzungsrechte abringen, so dass diesen die Leistungsschutzrechte in der Praxis nichts nützen. Trotzdem will die EU ihre Mitgliedsstaaten zu einer Verlängerung dieser Frist für Leistungsschutzrechte zwingen, was aus Rechts- und Wirtschaftswissenschaften heraus scharf kritisiert wird.

Die EU zwingt? Doch wohl eher die Mitglieder der EU sich selber. Als bequeme Ausrede, sich vor Diskussionen zu drücken, taugt die EU immer. Die Musiker hätten übigens, wie im Zitat erwähnt, nichts davon. Und 50 Jahre sollten für eine Plattenfirma doch wohl Zeit genug sein, Geld zu verdienen.

Passend dazu: Fahrenheit 451… Book burning as done by lawyers

Nicht unpolitischer Krimitipp und ein bisschen Rushdie

Montag, 02. März 2009

Ich mag fiktive Schnüffler, die auch mal politisch denken. Wie Pepe Carvalho, erfunden von Manuel Vázquez Montalbán. Denke ich an Carvalho habe ich auch immer die Stimme Manfred Krugs im Ohr, der ihn vor vielen Jahren in einigen Hörspielfassungen gesprochen hat.

Jacob Fabian, als Privatdetektiv von Christoph Ernst erdacht, ist auch so einer:

Ryanair eilt der Ruf voraus, ebenso billig wie arbeitnehmerfeindlich zu sein. Was die Moral des Konsumenten zu einer Geldfrage macht. [...] Die Alternative hieß Lufthansa. Lufthansa flog ab Hamburg, war teuer und genauso unkoscher. Nach Neuauflage des fabelhaften iranischen Mordaufrufs hatte die Firma verlautbaren lassen, künftig  werde man Rushdie nicht mehr befördern. Aus Sicherheitsgründen. Persische Staatsdiener durften weiterhin Bonusmeilen sammeln. Was den Westen so glaubwürdig macht, ist die Prinzipientreue, mit der er seine Ideale vorlebt.

Aus: Christoph Ernst, Kein Tag für Helden (Textauszug), Emons Verlag (mit nervigen Frames, deshalb Buchinfo nicht verlinkbar)

Ayatollah Khomeini rief vor 20 Jahren alle Moslems zum Mord an Salman Rushdie auf.

Und die Bemerkung ist aktueller denn je.

Zu Rushdie:

Die Linke hat die Fatwa verinnerlicht (Perlentaucher)

Das Buch zum Fluch (Freitag)

Der Geist der Fatwa (Jungle World)

Der Fluch des Khomeini (Jungle World)

My great uncle’s letters

Freitag, 19. Dezember 2008

Dave Winer entdeckt einen alten Verwandten:

German author Arno Schmidt was my great-uncle on my mother’s side, my maternal grandmother’s younger brother. I never met him, but when he died in 1979, my mother ended up with a collection of his writing. We want to donate these writings to a library for long-term preservation.

I also have a taped interview with Lucy Schmidt Kiesler, my grandmother, done by a Schmidt biographer, which I’m going to digitize and then release as an MP3 podcast.

My great uncle’s letters Scripting News

Ich kann es kaum erwarten.

Reden

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Jetzt ein völlig anderes Thema:

Arno Schmidt ist ohne Zweifel der größte Humorist deutscher Sprache.

Einige wenige Mitglieder des Literaturkreises Hamburg haben das erkannt und wollen die feine Sprache des Meisters nicht mehr nur allein genießen.

Deshalb treffen wir uns am 21. Oktober um 19:30 Uhr bei mir und reden über die „Gelehrtenrepublik“.

Wir suchen noch Mitleser und Diskutanten. Wer will, melde sich hier in den Kommentaren, per E-Mail bei mir oder im Kontaktformular des Literaturkreises Hamburg.

Bleib erschütterbar

Dienstag, 10. Juni 2008

Wenn es die Augen zuklappt,
geht die Erde unter,
sind die Sterne aus.

(Aus: Phönix voran!)

Peter Rühmkorf, gestorben 8. Juni 2008)

Mitleser gesucht

Donnerstag, 21. September 2006

Unser kleiner, neu gegründeter Arno-Schmidt-Lesekreis  in Hamburg sucht noch Mitglieder. Wir wollen uns alle drei bis vier Wochen treffen und über ein Werk von Arno Schmidt reden.

Bei Interesse Mail an literaturkreis@gmail.com.

Info über das aktuelle Buch und den nächsten Termin beim Literaturkreis Hamburg.

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur: Podcast-Offensive

Sonntag, 09. Oktober 2005

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur gehen in die Podcast-Offensive.

Gleich acht verschiedene Programmteile bieten die beiden Sender per Podcast an. Darunter meine Favoriten: Der Büchermarkt (eine etwa 20minütige Sendung zum Thema, na was wohl?), die Beiträge der Sendung Fazit und das Politische Feuilleton.

Kommentarzensur, die Mittagspause und Xsadfkmslllasfsdf

Montag, 25. Juli 2005

Nicolas Vogel fragt sich:

Wer Kommentare als Funktionalität einbindet, muss alles stehen lassen oder findet sich in der Rolle des Zensors wieder. Oder ist man schon Zensor, wenn man die Funktionalität unterläuft?

Nein, Zensur ist es nicht, weder so noch so. Schließlich kann der betroffene Kommentator jederzeit anderswo schreiben oder sein eigenes Blog aufmachen.

Wer aber nur Lobhudeleien als Kommentare auf seiner Seite hat, macht sich schnell unglaubwürdig.

Außerdem spielt er ein Suchmaschinenspielchen. Wer hat alles die Buchstabenfolge Xsadfkmslllasfsdf auf seine Seite geschrieben?

Jede Seite mit Xsadfkmslllasfsdf könnte natürlich auch noch eine Buchstabenkombination veröffentlichen: Xsadfkmslllasfsdfa (ein Buchstabe mehr!), die dann zusatzlich auf Webseiten gebracht wird, die durch diese Webseite auf Xsadfkmslllasfsdf aufmerksam wurden. Und immer so weiter…

Ja, ja, schon gut, sinnlose Mittagspausengedanken.