Artikel zum Thema ‘Computer und Internet’

Aprilscherz fast vergessen

Mittwoch, 01. April 2009

Beinahe den jährlichen Aprilscherz in der CT vergessen.

Dieses Mal war es aber auch zu offensichtlich: Picopayment – bezahlen mit Druckertinte.   Und dann noch Druckerpatronen mit Jugendschutz. Bitte, liebe CTler, bringt doch nicht  Frau von der Leyen auf Ideen.

Oder stimmt es vielleicht doch, gerade weil es so offensichtlich ist?

Voller Erfolg der Borgs

Sonntag, 01. März 2009

Was kann ein Linuxserver in einem Windowsnetzwerk? Bei dieser ausnahmsweise guten Diskussion im Heise-Forum habe ich den advocatus diaboli für Microsoft gemacht.

Jetzt ist es also so weit: Die Microsoft-Borgs haben mich assimiliert. Widerstand war zwecklos.

Mein Versuch, auf meinem Privat-PC von Windows zu Linux zu wechseln, ist schon lange gescheitert. Zu viele kleine Zickereien, die auf Dauer nur nervten. Entsprechend ruhig ist es hier ja auch in der Rubrik Linux geworden.

Nun wollte ich es noch serverseitig wissen. Also: Was kann Linux? Mein Fazit aus der Diskussion bei Heise: Im Prinzip kriegt man alles hin. Nur: Es kostet viel Arbeitszeit und es gibt immer nur problemanfällige Insellösungen, keine Standards.

Die Anforderungen waren:

  1. zentral gesteuerte Softwareverteilung von:
    • neuen, bisher noch nicht installierten Programmen
    • Updates,
  2. Loginscripte und serverbasierte Benutzerprofile und Home-Verzeichnisse,
  3. Zentrale Konfiguration von Anwendungseinstellungen wie im Active Directory über Gruppenrichtlinien.

Das ganze wahlweise auch gern in einem reinen Linuxnetzwerk.

Updateverteilung klappt recht gut. Dass ist bekannt. Ähnlich wie bei WSUS kann man sich dafür natürlich auch slebst kontrollierte Repositories basteln.

Für den Rest als Ergebnis: Sehr viele Scriptbasteleien, wenn es denn geht.

Ein Lichtblick für die Softwareverteilung: Opsi. Auf jeden Fall einen Blick wert.

Nach wie vor bin ich dankbar für einen Buchtipp oder einen Link, der über die üblichen Linuxeinführungen hinaus geht. Die Fragen sind: Wie baue ich große Unternehmensnetzwerke mit Linux, gemischt mit Windows oder auch gern als reines Linuxnetzwerk? Wie löst man die obigen Anforderungen am geschicktesten?

CDU diffamiert Zensurgegner

Montag, 16. Februar 2009

Die Debatte wird langsam rauher (Golem.de): 

Die CDU/CSU-Fraktionsvizechefin Ilse Falk hat die Gegner von Internetsperren per Access Blocking beschuldigt, Kinderpornografie zu fördern. Kritiker handelten verantwortungslos und stellten “die Interessen skrupelloser Geschäftemacher über den Schutz der Kinder”, sagte Falk wörtlich.

Das ist die Kinderpornostrategie in Reinform. Politiker, insbesondere der CDU, wollen das Internet überwachen und zensieren.

So einfach ist das natürlich nicht durchzusetzen. Man muss Zensur also nur umdefinieren in eine Schutzmaßnahme. Und wer will nicht Kinder schützen.

Zensurgegner macht Falk rhetorisch kurzerhand zu Kinderschändern. Wer will sich schon so einem Vorwurf aussetzen?

Ist die Infrastruktur dann erst einmal da, können flugs die nächsten Schritte folgen: Erst werden rechtsradikale Seiten gesperrt, denn Nazis will schließlich jeder bekämpfen. Dann könnten schon Seiten mit angeblich beleidigendem Inhalt folgen. Und Politiker können schnell beleidigt sein!

 Und schon sitzt überall die Schere im Kopf. Schon einige Tage Blockade verursachen bei einem kommerziellen Anbieter erheblichen Schaden.

Und ob ein Blogger überhaupt die Ressourcen hätte, gegen eine Blockade vorzugehen?

Man könnte ebenso gut fordern, jede Wohnung komplett mit Kameras zu überwachen. Und jedem Verwandten eines Kindes einen GPS-Chip einsetzen, um seine Aufenthaltsorte zu protokollieren. Schließlich findet Kindesmissbrauch sehr häufig im Verwandtenkreis statt. Das könnte Kinder auch vor Missbrauch schützen. Will das jemand?

Einige Sozialdemokraten wollen dieses Mal nicht mitmachen (Golem.de):

Die SPD-Bundestagsfraktion unterstütze den Kampf gegen Kinderpornografie “in jeder Hinsicht”, heißt es in der Mitteilung von Monika Griefahn, Sprecherin der Arbeitsgruppe für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, Jörg Tauss, medienpolitischer Sprecher der Fraktion, und Jürgen Kucharczyk, Berichterstatter im Unterausschuss Neue Medien. Sie bezweifeln jedoch, ob Zugangserschwernisse oder Sperrverpflichtungen dafür das geeignete Mittel sind. Mehrere Gutachten seien zu dem Schluss gekommen, dass solche Maßnahmen einen schwerwiegenden Eingriff in die im Grundgesetz verankerte Kommunikationsfreiheit darstellen.

Springer kapiert’s nicht

Donnerstag, 05. Februar 2009

Der Freitag versucht, offensiv mit der Herausforderung Internet umzugehen. Ich wünsche dem Freitag alles Gute dabei, sowohl wirtschaftlich als auch inhaltlich. Wie tief das Niveau in offenen Foren sinken kann, zeigt leider das Forum von heise.de.  

Der im Vergleich zum Freitag riesige Axel-Springer-Verlag hat es wohl immer noch nicht begriffen. Der Leiter “Public Affairs” des Verlages, Christoph Keese, fordert eine Verschärfung des Urheberrechts.   Dass Keese die Technik des Internets nicht, kann man ihm nachsehen. Er hält Proxyserver für „Vervielfältigungsmaschinen“, die illegale Kopien erstellen. Einfach nur lächeln und denken: Hättest du geschwiegen …  

Aber dann wird es richtig schlimm: Keese wirft den Nutzern von Internetangeboten vor, sie bereicherten sich an den Informationen. “Wir sind über die Maßen erfolgreich, kriegen nur kein Geld dafür”, beschwert sich Keese.  

Warum der Springer-Verlag seine Angebote nicht einfach kostenpflichtig macht, erklärt er nicht. Niemand zwingt schließlich irgendeinen Verlag, seine kostbaren Informationen ins Internet zu stellen.  

Was will der Cheflobbyist des Unternehmens? Ein Verbot kostenloser Internetangebote? Steuersubventionen? Oder eine Art Internet-GEZ?

(Das ganze ist ein Crosspost von freitag.de.)

Gaffer 2.0

Sonntag, 18. Januar 2009

Beinahe sofort schwillt der Twitter-Stream an, Bilder landen auf Flickr und werden auf allen Kanälen hin und her geschickt. Die im Internet verfügbaren Daten werden zu Katastrophen-Mashups verknüpft: Die Flugdaten von Flug 1549 werden mit Google Maps oder Google Earth visualisiert. Luftfahrtenthusiasten versuchen die schwierige Landung mit dem Flugsimulator und stellen ein Video davon auf YouTube.

“Da ist ein Flugzeug im Hudson (Heise)

Langsamer ist schneller

Dienstag, 23. Dezember 2008

I [Steven] remember when I was writing a portion of the Windows UI for Visual C++ and when I benchmarked against Borland C++ at the time, we were definitely faster (measured by seconds). However the reviews consistently mentioned Borland as being faster and providing feedback in the form of counts of lines compiled flying by. So I coded up a line count display that flashed a lot of numbers at you while compiling (literally flashy so it looked like it couldn’t keep up). In clock times it actually consumed a non-zero amount of time so we got “slower” but the reviewers then started giving us credit for being faster. So in this case slower actually got faster.

Engineering Windows 7 : Continuing our discussion on performance

Schöne Anekdote über gefühlte Systemperformance.

Dessel macht den Schäuble und den-Bürgerrechtler

Donnerstag, 18. Dezember 2008

Die SPD hat ein großes Problem: Sie will es allen recht machen.

Das neueste Beispiel dafür liefert Andreas Dressel, SPD-Innenexperte der Bürgerschaftsfraktion in Hamburg. Einerseits kritisiert er die Enthaltung Hamburgs im Bundesrat bei der Abstimmung über das neue BKA-Gesetz. Er macht also den Schäuble:

Es hätte Hamburgs Verantwortung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gut zu Gesicht gestanden, diesem Kompromiss [zwischen Bundestag und Bundesrat zum BKA-Gesetz] zuzustimmen.

Andererseits weist er auf Mängel im Hamburger Polizeirecht hin, das in einigen Bereichen in Konflikt mit Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts steht. Darauf berufe sich der grüne Justizsenator Steffen zwar immer, aber geändert habe sich am Gesetz auch nichts.

Was mache ich bei der nächsten Wahlentscheidung aus diesen Aussagen? Bei der Kritik am Hamburger Polizeigesetz stimme ich ihm ja zu. Andererseits macht er beim BKA-Gesetz den Schäuble und sich und die SPD damit nicht wählbar.

Ein Befürworter von mehr Überwachung wird Dressel und die SPD mit umgedrehter Begründung nicht wählen können.

So landet die SPD dann bei 20 Prozent.

Pfeifen im Walde

Samstag, 06. Dezember 2008

Man kann den Zugang zu Seiten oder deren Inhalte im Internet sperren. Für den naiven Internetnutzer sind sie dann auch nicht mehr zugänglich. Aber wer daran ein Interesse hat und sich halbwegs auskennt, der wird es immer schaffen, an diese Sachen zu gelangen. (Informatik-Professor Andreas Pfitzmann bei sueddeutsche.de zu den Sperrungsplänen von Frau von der Leyen.)

Das ist Pfeifen im Walde.

Die Internettechnik entwickelt sich immer noch schnell. Was heute technisch unmöglich scheint, wird in kurzer Zeit selbstverständlich sein. Die rasche Entwicklung des Internets ist dafür selbst der beste Beweis.

Auch die oft zitierte anarchische Struktur des Internets konnte nur in einer freien Gesellschaft entstehen. Ein totalitärer Staat hätte von Anfang an Kontrollen und Sperren eingebaut. Und für einen zentralistischen Aufbau des Netzes gesorgt.

Es braucht nicht viel Technik und aus dem freien Internet wird ein zentral kontrolliertes Netz. Die Voraussetzungen sind da: Der größte Teil des deutschen Internetverkehrs läuft über die Switche von DE-CIX. Die eine große Ausnahme bildet nur die Telekom. Diese zentralisierte Technik ließe sich schnell unter staatliche Kontrolle bringen.

Nicht nur totalitäre Staaten wie China arbeiten am kontrollierten Netz. Auch Australien baut an einem Filtersystem für das Internet.

In zehn Jahren wird das Internet immer noch Internet heißen. Aber es wird kein freies Netz mehr sein.

1:30 galten früher als zu kurz

Freitag, 15. August 2008

Früher (ja, ich weiß, Opa erzählt mal wieder vom Krieg ;-), vor dem Internet, war das Fernsehen der Lieblingsfeind der sogenannten Medienkritiker.

Lieblingsobjekte der Kritik waren nur 1:30 (in Worten: eine Minute und dreißig Sekunden) lange Berichte in Tagesschau und Heute. „Viel zu kurz!”, klagten Medienkritiker, „da bleibt keine Zeit, um ein Thema ausführlich zu erörtern.”

Heute beklagen sich die Ersten, dass der Spiegel keinen Twitterstream hat. Und medienlese.com hat die erste „Hitliste” von Twitterstreams deutscher Medien erstellt. Zur Erinnerung: Eine Nachricht bei Twitter hat maximal 140 Zeichen.

Wie sich die Zeiten ändern.

Eine feste Burg ist meine Domain

Sonntag, 20. Juli 2008

Ich bin schon fast 40. Ich weiß noch, was das Mausnetz war, ich hatte einen Zugang zum Comlink-Mailboxnetz.

Ich lebte auf dem Land. Internetzugang war unbezahlbar. Dann kam AOL und der Internetzugang kostete nur noch zehn Pfennige in der Minute. Plus Telefongebühren selbstverständlich.

Das war die Zeit der geschlossenen Onlinegesellschaften. Kunden von CompuServe lebten auf einem anderen Planeten als Nutzer des Mausnetzes.

Irgendwann funktionierte wenigstens E-Mail. Es war nicht selbstverständlich, dass ein AOL-Kunde an einen BTX-Teilnehmer eine E-Mail schreiben konnte.

Mit „dem Internet“ kam der große Vereinheitlicher, offene Standards setzten sich durch. E-Mail-Adressen sahen alle gleich aus. Jeder konnte mit jedem kommunizieren und auch jeder für jeden Inhalte ins Netz stellen.

Schon kam der Kommerz und mit ihm wieder die ersten Zäune: Instant Messaging. Der erste große Anbieter war ICQ, aber auch bei AOL konnte man sich schnelle Nachrichten schicken. Bis heute leben die Nutzer dieser Systeme in verschiedenen Welten. Manche in mehreren, um ja mit jedem reden zu können.

Jetzt sind Facebook, Xing, Twitter, StudiVZ, Flickr und wie sie alle heißen hinzugekommen. Alles schön umzäunte Communities. Mancher dieser Dienste beherrscht sein Segment so sehr, dass er fast alternativlos ist. Wer bei einem solchem Dienst in Ungnade fällt, ist weg, der existiert online nicht mehr.

Zwischen Xing und Facebook fließen nicht einmal E-Mails. Geschlossene Gesellschaft. Warum tun wir uns das an? Sind die Internetnutzer so vergesslich, dass sie nichts aus der Geschichte lernen? Wo ist die Wertschätzung von offenen Schnittstellen hin? Wohin die Wertschätzung von freier Kommunikation?

Sicher, es gibt Versuche, Schnittstellen zum Datenaustausch zwischen den einzelnen Diensten zu schaffen. Aber das sind Allianzen von Geschäftspartnern. Die eine gegen die andere. Am Ende wird man eben dem Opensocial-Netz von Google oder wer weiß wem angehören.

Wir sollten nicht aufhören, solche Dienste zu nutzen. Aber wir sollten uns immer klar sein, dass diese Dienste von einem Moment auf den anderen verschwinden können. Weg sind die Daten, die Kontakte, das gesammelte Wissen.

Da hilft nur: Wenigstens eine zuverlässige E-Mail-Adresse auch weiter fleißig benutzen. Eine Homepage, ein Weblog auf einer eigenen Domain haben. Dann ist man im Fall des Falles auch zu finden. Communitydienstleister benutzen, aber sich nicht auf sie verlassen.