Staats-PR-Journalisten

Jakob Augstein im Freitag über Journalisten, die Wikileaks Verantwortungslosigkeit und kriminelles Handeln vorwerfen:

Normalerweise rechtfertigen staatliche Stellen mit solchen Worten die Knebelung der Presse. Es ist ernüchternd, sie von Journalisten zu hören. Das embedding, das als kluge PR-Strategie der amerikanischen Armee im Irak-Krieg begann, ist hier weit gediehen. Ein Journalist, der die Wikileaks-Daten zuerst unter dem Gesichtspunkt der nationalen, oder – schlimmer noch – westlichen Sicherheit sieht, hat sich selbst erfolgreich zu Bett gebracht – und die Pressefreiheit gleich mit.

via Wikileaks: Wir Untertanen — Der Freitag.

Und dann wundern sich die Zeitungen über sinkende Auflagen?

2 Comments

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  1. stimme voll und ganz zu. zudem, wunderbarer artikel. danke an Jakob. es wird zeit, dass wir uns den mechanismen des finanzsystems tiefer und entschiedener zuwenden, damit dem wirkfaktor für die erpressbarkeit der alten printmedien, dem schuldgeldsystem. es erzeugt einen immer größeren geldüberhang, der `gewissermaßen´ als drohung über der zur veröffentlichung zur verfügung stehenden information, meinung oder `wahrheit´ steht. so sehen wir recht deutlich, warum dann eben nichts riskiert wird. es ist schlicht die erpressbarkeit durch die großen wirtschaftssektoren und institutionen, alle miteinander verflochten, sagen wir mal eher, verbandelt, einzelne verantwortung scheint da nicht mehr zurechenbar zu sein. die folge, alles ist systemrelevant, wird weiter miteinander verstrickt. der ausweg ist natürlich die noch bestehende freie urteilskraft einzelner. womöglich finden wir sie bei wikileaks. wie dem auch sei, wir sollten dem systemleck dankbar sein und es fördern statt es zu dämonisieren. dann besteht jedenfalls die chance, dass die fallhöhe nicht ins unermeßliche steigt.

  2. Ob alles Schuld des Geldsystems ist, hm?

    Es ist vielleicht einerseits die verführerische Nähe zur Macht, die manche Journalisten vergessen lässt, dass sie Kontrolleure sein sollten und nicht Teil des Machtapparats. Da haben einige das Schlagwort “4. Gewalt” wohl missverstanden.

    Dann auch ganz simpel immer noch die Kränkung durch den Machtverlust, den das Internet den ehemaligen Informationsgatekeepern zugefügt hat. Jetzt hat eben jeder Zugriff auf die Quellen und als Journalist kann man eben nicht mehr filtern, was die Öffentlichkeit erreicht. Diese Kränkung sollte man nicht unterschätzen, besonders bei den älteren Journalisten wie z.B. Herrn Leyendecker.

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